In Osnabrück brodelt es gewaltig: Der israelische Rüstungshersteller Rafael zeigt starkes Interesse an einer Übernahme des Volkswagen-Werks in der Stadt. Die Gespräche zwischen Rafael und Volkswagen wurden vom CDU-Bundestagsabgeordneten Bastian Ernst bestätigt, der selbst bis 2025 eine führende Rolle bei Dynamit Nobel Defence (DND), der Deutschlandtochter von Rafael, innehatte. Der Standort könnte, so die Pläne, künftig für die Herstellung von Komponenten des israelischen Abwehrsystems „Iron Dome“ genutzt werden.
Ein Umstand, der die Gemüter erregt: Im kommenden Jahr endet die Fahrzeugproduktion im VW-Werk Osnabrück, und bis zum Sommer 2027 ist unklar, wie es mit dem Standort weitergeht. Die Fertigung des VW T-Roc Cabrios läuft aus, und einen Folgeauftrag hat Volkswagen bislang nicht in Aussicht gestellt. Die Unsicherheit über die Zukunft des Werks ist für die rund 2300 Beschäftigten in Osnabrück eine große Belastung.
Neue Perspektiven oder alte Sorgen?
Die Gespräche mit dem niederländischen Rüstungskonzern KNDS und dem Panzer- und Munitionshersteller Rheinmetall sind bereits gescheitert, während die Spekulationen über eine mögliche Rüstungsproduktion in Osnabrück nicht abreißen. Ernst sieht die potenzielle Übernahme durch Rafael und DND positiv und spricht von einer „Win-win-Situation“. Ein Teil der Belegschaft könnte übernommen werden, was zumindest einen kleinen Lichtblick in der trüben Lage darstellt.
Volkswagen selbst prüft weiterhin Perspektiven für den Standort. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat sich offen für Aufträge aus der Rüstungsindustrie gezeigt und betont die Notwendigkeit, dass Deutschland und Europa unabhängiger im Bereich Verteidigung werden. Sie sieht im Zusammenhang mit Rüstungsprojekten eine Möglichkeit, den Standort Osnabrück zukunftsfest aufzustellen.
Militärische Ambitionen
Berichten zufolge denkt Volkswagen sogar darüber nach, Militärfahrzeuge in Osnabrück zu bauen. So wurden kürzlich zwei Armeefahrzeuge auf Basis der VW-Modelle Amarok und Crafter unter geheimen Bedingungen entwickelt und auf der Militärmesse Enforce Tac in Nürnberg präsentiert. Die Entwicklung dieser Fahrzeuge wurde von Volkswagen bestätigt, jedoch hält man sich hinsichtlich weiterer Planungen bedeckt. Die konkreten Projekte und deren Umfang sind derzeit noch unklar und tragen zur Unsicherheit bei.
Die Nachfrage nach Rüstungsprodukten hat seit dem Ukraine-Krieg einen spürbaren Anstieg erfahren, und DND hat bereits im Jahr 2024 einen Umsatz von 146 Millionen Euro erzielt, wobei der Gewinn auf 6,5 Millionen Euro verdoppelt werden konnte. Das Unternehmen plant zudem, sein Produktportfolio zu erweitern und einen neuen Standort in Kiel für Militärfunkgeräte aufzubauen.
Die Zukunft des VW-Werks in Osnabrück bleibt also in der Schwebe, und bis Ende des Jahres will Volkswagen eine Entscheidung treffen. Die nächsten Monate könnten entscheidend dafür sein, ob der Standort eine neue Bestimmung in der Rüstungsindustrie findet oder ob die Ära der Automobilproduktion in Osnabrück endgültig zu Ende geht.