Die 39. Ausgabe des European Media Art Festivals (EMAF) hat in der Kunsthalle Osnabrück begonnen und sorgt für ordentlich Gesprächsstoff. Unter dem Themenschwerpunkt „An Incomplete Assembly“ bietet das Festival ein buntes Programm aus Ausstellungen, Performances, Gesprächen, Filmen und Workshops. Viele Bildungseinrichtungen und Studierende sind am Festival beteiligt, wodurch Projekte von Kunsthochschulen und Universitäten auf dem EMAF-Campus präsentiert werden. Doch nicht alles verläuft reibungslos: Diskussionen über die Künstlerin Basma al-Sharif, die der BDS-Bewegung nahe stehen soll, überschattet das Event. BDS, was für „Boycott, Divestment and Sanctions“ steht, wird von vielen als antisemitisch eingestuft.
Kulturdezernent Wolfgang Beckermann hat bereits Kritik an al-Sharif geübt, während Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies seine Schirmherrschaft für das Festival zurückgezogen hat. Auch der Landschaftsverband Osnabrücker Land hat sich von Teilen des Programms distanziert. Dennoch verteidigt die Festivalleitung unter Katrin Mundt die Entscheidung, al-Sharifs Film im Programm zu belassen. Sie betont, dass das Festival bewusst Debatten anregen möchte und nicht nur gefällige Inhalte zeigt. Eine öffentliche Diskussion zum Thema BDS und Kunst ist für den 15. Juni geplant, was zeigt, dass das Festival einen Raum für Auseinandersetzungen schaffen will.
Basma al-Sharif im Fokus der Kontroversen
Basma al-Sharif, eine Filmemacherin und Installationskünstlerin, sieht sich seit Anfang 2023 einem zunehmenden Druck von deutschen Veranstaltern ausgesetzt. Vorwürfe wie Antisemitismus, Leugnung des Existenzrechts Israels und die Relativierung von Anschlägen palästinensischer Islamistenmilizen am 7. Oktober 2023 werfen einen Schatten auf ihre Arbeit. Insbesondere ihre Nähe zur BDS-Bewegung ist umstritten, die 2019 durch einen Bundestagsbeschluss in Deutschland als antisemitisch eingestuft wurde. Al-Sharifs Kurzspielfilm „Morgenkreis“ wird Ende April auf dem EMAF in Osnabrück gezeigt, doch die Diskussion um ihre Person und ihre Social-Media-Beiträge bleibt nicht aus.
Besonders brisant ist ein umstrittener Post von al-Sharif zu Halloween, der mutmaßliche Hamas-Dreiecke zeigt. Das Jüdische Forum NRW hat ihren Instagram-Account untersucht und von „Hetze“ gegen Israel gesprochen. Trotz dieser Vorwürfe kam ein juristisches Gutachten der Düsseldorfer Kunstakademie zu dem Schluss, dass al-Sharifs Posts von der Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt sind und keine Aufrufe zu Gewalt enthalten. Dennoch bleibt die Situation angespannt, und die Stadt Osnabrück führt „intensive Gespräche“ mit der Festivalleitung, die an al-Sharif festhält.
Einblick in die Kunst- und Debattenkultur
Im Kontext der aktuellen Debatten um Antisemitismus und Kunst ist es wichtig, auf die historische Perspektive zu blicken. Im 15. Jahrhundert wurde die materielle Bereicherung im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu kritisch betrachtet, was zu einer negativen Sicht auf Juden führte. Diese historischen Narrative haben bis heute Einfluss auf die Wahrnehmung von Kunst und Künstlern. Die Darstellung von Figuren, die für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht werden, zeigt oft physiognomische Abweichungen, die als Ausdruck von charakterlichen Defiziten interpretiert werden. Solche Darstellungen spiegeln die gesellschaftlichen Vorurteile ihrer Zeit wider und erinnern uns daran, wie wichtig ein sensibler Umgang mit solchen Themen in der heutigen Kunst- und Debattenkultur ist.
Das European Media Art Festival bleibt somit ein Ort der Auseinandersetzung und Reflexion, nicht nur über Kunst, sondern auch über die gesellschaftlichen Herausforderungen und Kontroversen unserer Zeit. Das Festival läuft bis zum 26. April, eine zusätzliche Ausstellung unter dem Titel „An Incomplete Assembly“ ist bis zum 25. Mai zu sehen. Die kommenden Wochen versprechen also, sowohl künstlerisch als auch diskursiv spannend zu werden.