Heute ist der 8.06.2026 und die Seehundstation Norddeich hat Grund zur Freude! Die ersten Heuler der Saison, die kleinen Seehund-Jungtiere „Ernie“ und „Bert“, sind angekommen. Ernie wurde mutterlos am 13. Mai auf Borkum entdeckt, während Bert am 26. Mai auf Norderney gefunden wurde. Beide hatten es nicht leicht, waren geschwächt und von ihren Müttern getrennt. In der Station dürfen sie nun aufpäppeln, mit spezieller Nahrung, die direkt mit Lachsemulsion beginnt. Ernie ist bereits ein bisschen weiter und darf sogar schon Fisch schlecken. Wie toll ist das denn?

Die Geburtenphase der Seehunde erreicht in diesen Tagen ihren Höhepunkt. Mitten im Juni wird es noch mehr kleine Heuler geben. Die Station rechnet an diesem Wochenende mit weiteren Einlieferungen, da die Wetterlage ziemlich gewittrig ist und die Störpotentiale hoch. Doch nicht jedes einsame Jungtier ist gleich ein Heuler! Oftmals werden die Kleinen von ihren Müttern auf Sandbänken gesäugt und dann kurzzeitig abgelegt. Das ist ein ganz normaler Teil ihres Lebens. Daher ist es wichtig, Abstand zu halten und Ruhe zu bewahren.

Schutz der kleinen Seehunde

Die Menschen sind aufgerufen, den Lebensraum dieser Tiere zu respektieren. Dr. Peter Lienau, der Leiter der Seehundstation, warnt eindringlich vor Störungen. Denn jede Unruhe könnte dazu führen, dass die Mütter flüchten und die Jungtiere dann verwaisen. Abstand von mindestens 300 Metern ist ein absolutes Muss. Am besten verlässt man den Fundort, um der Mutter die Möglichkeit zu geben, Kontakt aufzunehmen. Ein Jungtier muss nicht bewacht werden – das ist ein weiterer wichtiger Punkt!

Im Notfall sollte man die Seehundstation unter (04931) 97 33 30 kontaktieren. Die Hauptgeburtszeit der Seehunde erstreckt sich zwischen Anfang Juni und Mitte Juli, und in diesem Jahr werden weniger Tiere in der Station versorgt als in den Vorjahren. Das wirft Fragen auf, zumal die Region Ostfriesland ein bedeutender Lebensraum für Seehunde ist, die durch menschliche Eingriffe und Umweltverschmutzung bedroht werden.

Die Mission der Seehundstation

Die Seehundstation Norddeich, eine der bekanntesten Einrichtungen ihrer Art in Europa, kümmert sich um die Rettung, Pflege und Rehabilitation von Seehunden und anderen Meeressäugern. Gegründet im Jahr 1971, verfolgt die Station das Ziel, verwaiste oder verletzte Tiere zu retten und sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Neben der praktischen Arbeit ist auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das fragile Meeresökosystem ein wichtiger Teil ihrer Mission. Jedes Jahr zieht die Station Tausende von Besuchern an, die sich für die Arbeit und die Tiere interessieren.

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In der Station arbeiten etwa 25 feste Mitarbeiter und über 70 ehrenamtliche Helfer. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Tiere die bestmögliche Pflege erhalten. Der Alltag hier umfasst tiermedizinische Untersuchungen, spezielle Fütterungen und die Reinigung der Anlagen – alles, um Krankheiten vorzubeugen und den Tieren eine optimale Umgebung zu bieten.

Doch die Herausforderungen sind groß. Umweltverschmutzung, der Klimawandel und menschliche Störungen setzen den Seehunden zu. Die Station engagiert sich auch in der Forschung und arbeitet mit Universitäten sowie Tierschutzorganisationen zusammen. Besucher können bei Führungen und Ausstellungen mehr über die Tiere und ihre Lebensweise erfahren und somit einen Teil dazu beitragen, dass die Seehunde auch in Zukunft in unseren Gewässern leben können.