In Niedersachsen schlummert etwas ganz Besonderes – ein weißes Gold, das die Zukunft der Energieversorgung revolutionieren könnte: Lithium. Ja, genau, das Element, das in zahlreichen Akkus steckt und unser Leben immer mehr bestimmt. Momentan müssen wir das Lithium importieren, und auch die Zellen, die daraus gefertigt werden, kommen oft aus dem Ausland. Doch das könnte sich ändern, denn die Industrie hat ein Auge auf die mögliche Lithiumförderung in Niedersachsen geworfen. Und das ist noch nicht alles!

Die ExxonMobil-Tochter Esso Deutschland hat kürzlich fünf neue Erlaubnisfelder zur Lithium-Aufsuchung erhalten, die ab dem 1. Mai in Betrieb gehen. Inzwischen gibt es insgesamt 25 solcher Felder in Niedersachsen, was einem Fünftel der gesamten Landesfläche entspricht. Diese neuen Gebiete erstrecken sich über Landkreise wie Cloppenburg, Diepholz, Hildesheim und auch die Region Hannover. Wer hätte gedacht, dass Niedersachsen einmal als Vorreiter in der Lithiumförderung dastehen könnte?

Nachhaltige Gewinnung mit Potenzial

Die geplante Lithiumextraktion erfolgt durch ein Verfahren, das als DLE (Direkte Lithiumextraktion) bekannt ist. Dabei wird Tiefenwasser gefördert, aus dem das Lithium abgetrennt wird – ganz ohne große Bergwerke oder Salzseen. Diese Methode gilt als umweltschonend und minimalinvasiv, benötigt nur einen Bohrplatz und hat das Potenzial, die Lieferketten zu verkürzen. Niedersachsen könnte somit nicht nur unabhängiger von externen Lieferanten werden, sondern auch eine Vorreiterrolle im Bereich der nachhaltigen Rohstoffgewinnung übernehmen.

Wissenschaftler schätzen, dass Millionen Tonnen Lithium im niedersächsischen Untergrund lagern – genug, um den deutschen Bedarf über Jahrzehnte zu decken. Der Projektleiter Andre Stechern von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist überzeugt: „Das Potenzial Niedersachsens ist enorm.“ Die Wirtschaftlichkeit der Förderung wird jedoch entscheidend sein, denn die ersten Lithiumabbaumethoden könnten erst in den 30er-Jahren wirklich greifen.

Ein Blick in die Zukunft

Die neue Lithiumförderung könnte nicht nur die Situation auf dem Rohstoffmarkt verbessern, sondern auch die regionalen Unternehmen stärken. So bezieht das Oldenburger Unternehmen be.storaged viele Komponenten für seine Stromspeichersysteme aus China. Kürzere Lieferwege könnten hier wahrlich ein Segen sein. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne hebt die Bedeutung der Nutzbarmachung eigener Rohstoffe hervor – und das aus gutem Grund. Der Ukraine-Krieg hat die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen stärker denn je ins Bewusstsein gerückt.

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Doch bevor die Erlaubnisfelder in vollem Umfang genutzt werden können, stehen noch einige bürokratische Hürden an. Die Esso Deutschland GmbH muss bergrechtliche Betriebspläne vorlegen und genehmigen lassen, bevor konkrete Aufsuchungshandlungen beginnen können. Momentan stehen noch einige Anträge anderer Unternehmen beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) auf der Warteliste. Die Suche nach Lithium in Niedersachsen ist also in vollem Gange, und die Hoffnungen sind groß.

Die Lithiumgewinnung könnte Niedersachsen nicht nur zu einem führenden Bundesland in der Rohstoffförderung machen – sie könnte auch einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Und wer weiß, vielleicht wird dieses „weiße Gold“ schon bald aus den eigenen Böden des Landes gegraben und trägt zur Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit der deutschen Energieversorgung bei.