In Niedersachsen gibt es gerade einen regelrechten Boom bei den Einbürgerungen. Man könnte fast sagen, die großen Städte blühen auf – und das im wahrsten Sinne des Wortes! Die neuesten Zahlen aus einer Umfrage des Mediendienstes Integration zeigen einen deutlichen Anstieg bei den Einbürgerungen. In Hannover beispielsweise wurden im Jahr 2022 beeindruckende 2.660 Menschen eingebürgert, was mehr als einer Verdopplung im Vergleich zu 2019 (1.408 Einbürgerungen) entspricht. Auch Braunschweig kann sich freuen: Hier stieg die Zahl von 280 auf unglaubliche 1.209 Einbürgerungen. Das ist doch eine echte Erfolgsgeschichte, oder?
Doch nicht alles läuft ohne Schwierigkeiten. In Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück sind im Jahr 2022 fast 16.000 Einbürgerungsanträge noch offen. Besonders Hannover hat mit über 7.600 offenen Anträgen zu kämpfen. Viele dieser neuen Bürger kommen aus Ländern wie Syrien, der Türkei, Afghanistan, dem Irak, dem Iran und Russland. Auch Bremen hat mit 2.615 Einbürgerungen im Jahr 2022 den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (4.041) zu verzeichnen. Die Stadt hat aktuell rund 13.400 Anträge, die noch bearbeitet werden müssen.
Einbürgerung leicht gemacht?
Bevor man sich jedoch ins Abenteuer der Einbürgerung stürzt, gibt es einige praktische Tipps. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration empfiehlt einen sogenannten Quick-Check. Damit kann man unverbindlich die Voraussetzungen zur Einbürgerung überprüfen. Auf der Webseite „Wege zur Einbürgerung“ findet man umfassende Informationen, die einem helfen, den Überblick zu behalten. Wer lieber direkt sprechen möchte, kann telefonisch nachfragen: Montags bis donnerstags von 8:00 bis 12:00 Uhr ist das Migrationsamt unter der Nummer 0421 – 361 – 88670 erreichbar.
Aber wie läuft die Antragstellung eigentlich ab? Zunächst einmal kann der Antrag ohne vorherige Beratung gestellt werden, das Formular steht online bereit. Wichtig ist, dass alles vollständig ausgefüllt und unterschrieben bei der Staatsangehörigkeitsbehörde eingereicht wird – und zwar nur in Kopie. Die Gebühren werden erst fällig, wenn die Einbürgerungsbehörde zur Zahlung auffordert. Ein bisschen Geduld braucht man allerdings: Die steigende Anzahl an Anträgen führt zu längeren Bearbeitungszeiten. Nach dem Eingang des Antrags wird geprüft, ob alles vollständig ist, und bei Vorliegen der Voraussetzungen erhält man eine Einbürgerungsurkunde.
Einbürgerungen im gesamtdeutschen Kontext
Das, was Niedersachsen und Bremen erleben, ist Teil eines größeren Trends in Deutschland. Der Anstieg der Einbürgerungen ist nicht zu übersehen, und für das Jahr 2024 wird mit knapp 300.000 Einbürgerungen gerechnet. Viele dieser neuen Staatsbürger sind Geflüchtete, die seit 2015 in Deutschland leben. Sie haben mittlerweile die Voraussetzungen erfüllt, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen – sei es durch Voraufenthaltszeiten, Deutschkenntnisse oder einen gesicherten Lebensunterhalt. Die Einbürgerung wird für sie oft zum Schlüssel für eine bessere Zukunft.
Einbürgerungen sind ein wichtiger Teil der Integrationspolitik in Deutschland. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, die 2024 in Kraft tritt, wird die Einbürgerung erleichtern, aber auch neue Anforderungen an die Lebensunterhaltssicherung stellen. Die Kriterien dafür sind klar: Identitätsklärung, rechtmäßiger Aufenthaltsstatus, Straffreiheit, ein Bekenntnis zum Grundgesetz sowie der Nachweis von Deutschkenntnissen und das Bestehen eines Einbürgerungstests. Das ist schon eine ganz schön lange Liste, aber für viele ist die deutsche Staatsbürgerschaft der Schlüssel zu einem neuen Leben.