In Niedersachsen ist die Kartoffelernte eine tragende Säule der Landwirtschaft, doch in diesem Jahr sieht die Lage für viele Landwirte alles andere als rosig aus. Der Kartoffelüberschuss auf dem Markt hat nicht nur zu einem Preisverfall geführt, sondern auch dazu, dass viele Landwirte ihre Ernte nicht verkaufen können. So geht es auch Hendrik Staacke aus Lemgrabe, der noch 700 Tonnen Kartoffeln aus dem vergangenen Jahr übrig hat. Diese Menge entspricht etwa einem Drittel seiner gesamten Ernte und wird, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, verschenkt. Interessierte können am Wochenende zwischen 9 und 18 Uhr in der Lagerhalle in Dahlenburg vorbeischauen und sich mit kostenlosen Kartoffeln eindecken.
Die Situation ist alarmierend: Biogasanlagen sind voll, und die hohen Spritkosten machen den Transport für Tierfutter oft unrentabel. Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt es gleich mehrere Gründe für den aktuellen Kartoffelüberschuss: Die Anbauflächen für Kartoffeln haben in den letzten Jahren stark zugenommen, und die Ernte im vergangenen Jahr war besonders gut. Der resultierende Preisdruck führt dazu, dass Händler oft nur die beste Ware auswählen, während ein Teil der Ernte schlichtweg liegen bleibt. Die Preise für Kartoffeln sind auf einem Rekord-Tief angekommen, im Lebensmitteleinzelhandel sind sie um bis zu 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
Die Herausforderungen der Landwirte
Für viele Kartoffelbauern, wie beispielsweise Hagen Meyer, wird die Situation immer prekärer. Meyer bewirtschaftet 125 Hektar und muss feststellen, dass noch rund 5 Prozent seiner Ernte im Boden liegen bleiben, vermutlich unverkäuflich. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland etwa 13,4 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet, was zwei Millionen Tonnen über dem Durchschnitt liegt. Dies trägt zur massiven Marktüberversorgung bei, die laut dem Deutschen Bauernverband als katastrophal zu bezeichnen ist.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hebt hervor, dass die Anbaufläche für Kartoffeln auf einen Rekordwert von 139.670 Hektar gestiegen ist. Obwohl die Erntemengen hoch sind, kämpfen die Landwirte mit schwierigen Vermarktungsbedingungen. Die Preise sind stark gesunken und liegen aktuell bei gerade einmal 6 bis 7 Cent pro Kilo, während die Supermarktpreise zwischen 70 Cent und einem Euro pro Kilo schwanken. Diese Diskrepanz zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen setzt die Bauern enorm unter Druck.
Ein Lichtblick für die Zukunft?
Während die Preise für Kartoffeln in diesem Jahr stark unter Druck stehen, arbeiten Unternehmen an neuen Kartoffelsorten, die resistenter gegen Fäule und Trockenheit sind. Dies könnte in Zukunft helfen, die Ernteerträge zu stabilisieren und die Marktbedingungen zu verbessern. Doch bis diese neuen Sorten auf den Markt kommen, wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Weg zur Verbesserung ist lang und steinig, und viele Landwirte sind darauf angewiesen, dass sich die Bedingungen schnell ändern.
Die Herausforderungen, vor denen die Landwirte stehen, sind vielfältig. Wetterbedingungen, wie die extreme Trockenheit zwischen Februar und April 2025, sorgen für zusätzliche Ernteverluste, besonders in Gebieten mit schlechter Wasserversorgung. Während moderate Temperaturen und Regen ab April/Mai eine Erholung der Kulturen ermöglichen, bleibt die Frage, wie lange die Landwirte noch mit den stark gesunkenen Preisen und der Marktüberversorgung umgehen können. Die Situation ist angespannt, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird.