In Niedersachsen wird das Fußballfeld zur Bühne für die Leseförderung. Das Projekt „Anpfiff fürs Lesen“, initiiert vom Niedersächsischen Fußballverband e.V., bringt Grundschulkinder auf dem Platz zusammen, um ihre Lesekompetenz auf spielerische Art und Weise zu stärken. Die Idee dahinter ist einfach: Durch Bewegung und Fußballaktivitäten sollen die Kinder nicht nur fitter werden, sondern auch die Begeisterung für Bücher entdecken. Trainer Matthias Noack leitet die Arbeitsgemeinschaft (AG) an der Grundschule Adendorf und hat dabei einen klaren Fokus: Die Lesemotivation der Kinder zu fördern, ohne den Druck des klassischen Leseunterrichts.
Ein Blick auf die aktuelle IGLU-Studie zeigt, wie wichtig solche Initiativen sind. Laut dieser Studie haben etwa 25,4 Prozent der Viertklässler in Deutschland deutliche Defizite im Lesen – ein Anstieg von 18,9 Prozent seit 2016. Es wird deutlich, dass die schulischen Rahmenbedingungen für viele Kinder nicht optimal sind. Professorin Dr. Nele McElvany von der TU Dortmund hebt hervor, dass die Maßnahmen der letzten zwei Jahrzehnte kaum Wirkung auf den Bildungserfolg und die Chancengleichheit gezeigt haben. Das „Anpfiff fürs Lesen“-Projekt könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem es gezielt Kinder anspricht, die Unterstützung beim Lesen benötigen.
Leseförderung im Fußball-Trikot
Die AG an der Grundschule Adendorf richtet sich nach den Bedürfnissen der Schüler*innen. Die Schulleitung entscheidet, welche Kinder teilnehmen, wobei der Fokus auf jenen liegt, die besondere Hilfe brauchen. Der Fußballverband unterstützt derzeit 22 Schulen mit über 10.000 Euro jährlich, und viele Einrichtungen haben das Projekt auch nach der finanziellen Förderung fortgeführt. Hunderte Kinder haben durch „Anpfiff fürs Lesen“ das Interesse am Lesen entwickelt, was in Anbetracht der IGLU-Zahlen eine ermutigende Entwicklung ist.
Die IGLU-Studie, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, bietet nicht nur Einblicke in die Lesekompetenz, sondern untersucht auch das Leseverhalten und die Motivation der Schüler. Deutschland liegt im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld, und die Leistungsstreuung ist seit 2001 gestiegen. Während Lehrkräfte in Deutschland im Durchschnitt 141 Minuten pro Woche für Leseförderung aufwenden, sind es in der EU 194 Minuten und in der OECD sogar 205 Minuten. Solche Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf, den es in der deutschen Bildungslandschaft gibt.
Auf dem Weg zu besseren Leseergebnissen
Die Ergebnisse der IGLU-Studie wurden zuletzt in einer Bundespresskonferenz vorgestellt, und die Analyse zeigt, dass der Anteil der Kinder, die die Grundschule ohne ausreichende Lesekompetenz verlassen, gestiegen ist. Professorin Dr. Anita Schilcher von der Universität Regensburg, die Teil des Studienkonsortiums war, betont die Notwendigkeit einer stärkeren Fokussierung auf Lesekompetenz und die evidenzbasierte Ausbildung von Lehrkräften. Die Kultusministerkonferenz hat bereits Schlussfolgerungen gezogen, um die Entwicklung des Schulwesens zu fördern.
Mit Projekten wie „Anpfiff fürs Lesen“ wird ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht. Indem Kinder beim Fußballspielen gleichzeitig ihre Lesefähigkeiten trainieren, zeigen sie, dass Lernen auch Spaß machen kann. Die Kombination aus Bewegung und Literatur könnte der Schlüssel sein, um die Lesekompetenz in Deutschland nachhaltig zu verbessern und Kinder auf eine spannende Reise in die Welt der Bücher mitzunehmen.