Im Hildesheimer Dom, an einem bedeutsamen Pfingstfest, hielt Heiner Wilmer, der neu ernannte Bischof von Münster und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, seine letzte Pfingstpredigt in Hildesheim. Es war ein Tag, der nicht nur den Heiligen Geist feierte, sondern auch die Offenheit und den Dialog in unserer Gesellschaft in den Fokus rückte. Wilmer sprach eindringlich darüber, wie wichtig es ist, einander zuzuhören, und dass Spannungen entstehen, wenn Menschen aufhören, den anderen wahrzunehmen.
„Eine Kirche, die nur eine Stimme duldet, verliert ihre Weite“, warnte der Bischof und fügte hinzu, dass eine Gesellschaft, die Vielfalt fürchtet, letztendlich ihre Zukunft aufs Spiel setzt. Diese Worte hallen nach – sie sind ein Aufruf, den Dialog zu suchen und die Unterschiede auszuhalten, die uns als Menschen ausmachen. Der Heilige Geist, so Wilmer, sei eine Quelle der Vielfalt, die wir als Geschenk und nicht als Problem betrachten sollten.
Das Wunder der Verständigung
Wilmer zog eine kraftvolle Parallele zum Pfingstfest, das die Erfüllung der Jünger Christi mit dem Heiligen Geist feiert. Pfingsten, als „Wunder der Verständigung“ bezeichnet, beginnt in den Herzen der Menschen, wenn sie lernen, zuzuhören und sich aufeinander einzulassen. In einer Zeit, in der Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit weltweit an der Tagesordnung sind, stellte er fest, dass Frieden keine regionale Angelegenheit ist. Deutschland und Europa können sich nicht isoliert retten – wir stehen in der Verantwortung, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen.
Sein Plädoyer war eindringlich: Einheit entsteht durch Beziehung, nicht durch Druck. Diese Botschaft gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für die gesamte Welt. An Pfingsten, das 50 Tage nach Ostern gefeiert wird, erinnern sich Christ*innen daran, wie der Heilige Geist auf die Jünger herabkam und sie mit Glauben erfüllte. Diese Erfüllung befähigte sie, die Lehren Jesu in die Welt zu tragen und damit den Grundstein für die christliche Gemeinschaft zu legen.
Traditionen und Bedeutung
Es ist faszinierend, wie das Pfingstfest in verschiedenen Kulturen gefeiert wird. Der Name „Pfingsten“ kommt vom altgriechischen „pentecoste“, was „fünfzigster Tag“ bedeutet. Dieses Fest hat Wurzeln im jüdischen Fest „Schawuot“, und es wird auch als „Gründungstag der Kirche“ bezeichnet. Die Apostelgeschichte erzählt von dem dramatischen Ereignis, als der Heilige Geist kam und die Jünger in verschiedenen Sprachen sprach. Ein gewaltiges Zeichen, das viele Menschen beeindruckte – etwa dreitausend ließen sich nach Petrus‘ bewegender Rede taufen!
An Pfingsten ist die liturgische Farbe Rot zu sehen, Feuer und Tauben sind die Symbole des Heiligen Geistes. Es gibt ökumenische Gottesdienste, die die verschiedenen christlichen Konfessionen zusammenbringen – ein Zeichen der Gemeinschaft, das in der heutigen Zeit umso wertvoller ist. Außerdem ist der Pfingstmontag ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland, was vielen Menschen die Möglichkeit gibt, diesen besonderen Tag in Ruhe zu feiern.
Wilmer wird am 21. Juni nach Münster wechseln – ein neuer Abschnitt, aber sein Aufruf zur Offenheit und zum Dialog wird in Hildesheim und darüber hinaus weiterklingen. Möge der Heilige Geist uns alle inspirieren, die Vielfalt zu schätzen und Brücken zu bauen, wo Mauern drohen.