In der Hildesheimer Michaeliskirche wurde am Sonntagnachmittag ein ganz besonderer Gottesdienst gefeiert. Hannovers Landesbischof Ralf Meister führte Dr. Claas Cordemann als neuen Regionalbischof für den Sprengel Hildesheim-Göttingen ein. Ein Tag, der nicht nur für Cordemann selbst, sondern auch für die rund 400.000 evangelischen Christen in mehr als 300 Kirchengemeinden des Sprengels von Bedeutung ist. Auch wenn der Himmel an diesem Tag etwas bewölkt war, strahlte die Atmosphäre vor Freude und Hoffnung.

Dr. Claas Cordemann, 54 Jahre jung, hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Bevor er diese verantwortungsvolle Position übernahm, war er als Gemeindepastor sowie in Forschung und Lehre tätig. Zuletzt leitete er die Fortbildung für kirchliche Mitarbeitende in Loccum. Doch seine Wurzeln reichen tief in die Region: Er studierte in Göttingen und war viele Jahre als Pastor im Kirchenkreis Leine-Solling aktiv. Diese Verbindung zur Region wird er sicherlich in seiner neuen Rolle als Regionalbischof weiter vertiefen.

Ein Ruf nach Menschlichkeit

In seiner Predigt rief Cordemann eindringlich zu mehr Menschlichkeit, Hoffnung und geistlicher Aufmerksamkeit auf – Themen, die in der heutigen Zeit angesichts von Kriegen und gesellschaftlicher Polarisierung kaum aktueller sein könnten. Er sprach von der Notwendigkeit, in Krisenzeiten innezuhalten, zu beten und zuzuhören. „Die Welt braucht Menschen des Friedens“, betonte er und stellte die Liebe Gottes in den Mittelpunkt seiner Botschaft. Dabei erinnerte er an das berühmte Gemälde „Der Mönch am Meer“ von Caspar David Friedrich, das eine andere Sichtweise auf die Welt eröffnet. Es ist eine Art von Perspektivwechsel, den er sich für die Menschen wünscht.

Besonders eindringlich warnte Cordemann vor den Folgen von Hass und Misstrauen. Er möchte die Kirche als verlässlichen Ansprechpartner im öffentlichen Raum etablieren und den Dialog mit Politik, Zivilgesellschaft und anderen gesellschaftlichen Akteuren fördern. „Wir müssen die Kirche als Ort der gesellschaftlichen Verständigung begreifen“, so Cordemann. Dabei erkennt er, dass die Kirche vor Veränderungen steht – ein Thema, das ihn sichtbar bewegt.

Ein feierlicher Rahmen

Die Amtseinführung wurde von verschiedenen Chören und Musikern musikalisch umrahmt, was dem Gottesdienst eine besondere Note verlieh. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Ökumene waren erschienen, darunter die braunschweigische Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel und Hildesheims Weihbischof Dr. Martin Marahrens. Es war ein Fest der Gemeinschaft, das die Verbundenheit der Menschen in der Region spürbar machte.

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Cordemann folgt auf Dr. Adelheid Ruck-Schröder, die nun an der Spitze der Evangelischen Kirche von Westfalen steht. In seinem neuen Amt wird er nicht nur die Öffentlichkeit vertreten, sondern auch im Bischofsrat an der Leitung der Landeskirche mitwirken. Die Rolle des Regionalbischofs ist entscheidend; er ist ein wichtiger Gesprächspartner für Pfarrer, Dekane und Kirchengemeinden und hält den Kontakt zu anderen Kirchen, Konfessionen, Religionen sowie staatlichen Institutionen und Medien.

Ein Blick nach vorn

Seine Vision für die Kirche ist klar: Cordemann möchte Räume schaffen, in denen Debatten und unterschiedliche Positionen Platz finden. „Die Kirche vor Ort wird gebraucht und geschätzt“, sagte er und betonte die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen und die Kirche weiterzuentwickeln. Er bringt die Erfahrung mit, die er als Gemeindepastor gesammelt hat, und ist fest entschlossen, diese in seine neue Position einzubringen.

Mit Dr. Claas Cordemann an der Spitze des Sprengels Hildesheim-Göttingen wird die Region sicherlich von seinem Engagement und seiner Vision profitieren. Die Herausforderungen sind groß, doch mit einem solchen Bischof, der die Menschen in den Mittelpunkt stellt, kann man nur hoffen, dass die Kirche eine lebendige Anlaufstelle für alle bleibt – ein Ort, an dem Menschlichkeit und Verständnis gedeihen können.