In Hildesheim wird am 19. Mai ein bedeutendes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus stattfinden. Unter der Leitung des Künstlers Gunter Demnig, der seit über 30 Jahren Stolpersteine verlegt, werden in der Stadt 27 neue Stolpersteine installiert. Diese kleinen, aber eindrucksvollen Gedenktafeln aus Messing, die in das Pflaster vor den letzten Wohnorten der Opfer eingelassen werden, sollen an die Menschen erinnern, die während dieser dunklen Periode verfolgt, ermordet, deportiert oder in den Suizid getrieben wurden.
Von den neuen Stolpersteinen werden 23 an jüdische Mitbürger erinnern, die unter dem Nazi-Regime litten. Darüber hinaus werden drei Stolpersteine an mutige Personen erinnern, die sich dem Regime widersetzten. Eine besonders tragische Geschichte ist die einer Person, die wegen homosexueller Handlungen ins Zuchthaus gebracht wurde und dort ihr Leben verlor. Die Verlegung der Steine wird von Mitarbeitenden des städtischen Bauhofs durchgeführt und ist Teil einer größeren Initiative zur Erinnerung und Aufarbeitung der Geschichte.
Einladung zur Gedenkstunde
Die Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an der Gedenkstunde auf dem Andreasplatz teilzunehmen, die um 11 Uhr beginnt. Diese Veranstaltung bietet eine Gelegenheit, innezuhalten und die Geschichten der Menschen, die hier einst lebten, zu würdigen. Die neuen Stolpersteine werden von 26 Patinnen und Paten aus Hildesheim und Umgebung finanziert, was das große Engagement der Gemeinschaft hervorhebt. Mit diesen 27 neuen Stolpersteinen wird die Gesamtzahl in Hildesheim auf 327 ansteigen.
Die Stolpersteine sind Teil eines größeren Projekts, das von der gemeinnützigen Stiftung „Spuren – Gunter Demnig“ geleitet wird. Diese Stiftung bewahrt die Ideen und das Lebenswerk des Künstlers und sorgt dafür, dass die Lebensgeschichten der verfolgten Menschen dokumentiert werden. Die Inschriften auf den Steinen werden in Zusammenarbeit mit örtlichen Initiativen und Archiven recherchiert und nach der Verlegung in eine Datenbank eingepflegt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einbindung von Kindern und Jugendlichen, um die Erinnerungskultur anschaulich und lebendig zu gestalten.
Ein trauriger Trend
Leider gibt es auch dunkle Wolken am Horizont: In den letzten Jahren wurden immer wieder Stolpersteine beschädigt oder gar gestohlen. Allein 2024 zählte das Bundeskriminalamt neun Diebstähle und 25 Sachbeschädigungen. In Hildesheim bleibt der Schutz dieser Mahnmale eine wichtige Aufgabe, denn sie sind mehr als nur Gedenkstätten; sie sind ein Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Stolpersteine, die in ganz Europa verlegt wurden, sind ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen, und sie tragen zur Aufklärung über die Gräueltaten des Nationalsozialismus bei. In Hildesheim wird mit der bevorstehenden Verlegung ein weiterer Schritt unternommen, um die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten. In einer Zeit, in der antisemitische Vorfälle zunehmen, ist das Gedenken wichtiger denn je.
Wenn Sie mehr über die Stolpersteine und deren Bedeutung erfahren möchten, besuchen Sie die Webseite der Stiftung, die umfassende Informationen zu diesem wichtigen Projekt bereitstellt.