Am Sonntag, den 9. Juni 2026, versammelten sich rund 1000 Menschen im Hildesheimer Dom, um sich von einem Bischof zu verabschieden, der in den letzten Jahren große Spuren hinterlassen hat: Heiner Wilmer. Sein letzter Gottesdienst als Bischof von Hildesheim war nicht nur ein feierlicher Abschied, sondern auch ein Moment der Dankbarkeit und des Rückblicks auf acht bewegte Jahre. Zwischen den Kirchenbänken und den hohen Gewölben des Doms spürte man die emotionale Atmosphäre. Wilmer, der beliebte Bischof, der für seine Herzlichkeit bekannt ist, wurde von Domdechant Heinz-Günter Bongartz gewürdigt. „Ein Bischof, der große Spuren hinterlassen hat“, so seine Worte. Die goldene Parkkarte für den Domhof, die ihm überreicht wurde, symbolisierte nicht nur Wertschätzung, sondern auch ein Stück Hildesheim, das Wilmer in Erinnerung behalten wird.
Christian Heimann, Vorsitzender des Diözesanrats, brachte es auf den Punkt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich Wilmer so bald verabschieden müsste.“ Es war ein Abschied mit einem Hauch von Wehmut, denn Wilmer, der am 21. Juni 2026 als neuer Bischof von Münster eingeführt wird, bleibt bis dahin noch in Hildesheim. In seiner Dankesrede betonte er die Bedeutung der Menschen im Bistum, schloss Familie und Generalvikar Martin Wilk in seine Worte ein und zeigte sich dankbar für die gemeinsamen Jahre. Auch ein wenig Humor kam nicht zu kurz: Während des Gottesdienstes erklärte er die Bedeutung einer Brezel – ein Zeichen der Inkulturation, das die Verbindung zu den Menschen verdeutlichte.
Ein Bischof auf neuen Wegen
Heiner Wilmer stammt aus Schapen im südlichen Emsland, und trotz des bevorstehenden Wechsels wird ihm der Abschied aus Hildesheim schwerfallen. „Ich folge dem Willen des Papstes“, so Wilmer. Er wurde erst drei Wochen vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Seine Karriere umfasst vielschichtige Stationen: Von Lehrer an katholischen Schulen bis hin zum Generalobereren in Rom. Diese Erfahrungen wird er in Münster einbringen, wo er die Leitung eines der flächenmäßig bedeutendsten Bistümer in Deutschland übernehmen wird. Wilmer sieht in Münster eine größere Gestaltungsmacht und eine neue Herausforderung. Er bringt nicht nur seine Herzlichkeit mit, sondern auch progressive Ansätze, die er während seiner Amtszeit in Hildesheim bewiesen hat.
Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt war ein heikles Thema, das Wilmer während seiner Zeit in Hildesheim nicht gescheut hat. Er hat neue Wege beschritten, auch wenn es Konflikte gab. Spannungen mit einem Pfarrer und ein Prozess vor dem Landgericht Hildesheim sind nur einige der Herausforderungen, denen er sich stellen musste. Inmitten all dieser Schwierigkeiten wurde seine Versetzung nach Münster niemals gefährdet. Die Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche in Deutschland sind rückläufig, und die Kirche steht vor großen Herausforderungen. Doch Wilmer bleibt optimistisch.
Ein Abschied mit Geschenken und persönlichen Worten
Nach dem Gottesdienst nahmen sich viele Menschen die Zeit, um sich persönlich von Wilmer zu verabschieden. Die Hildesheimer Weinkönigin und Mitglieder des Weinkonvents überreichten ihm neun Flaschen Weißwein als Pacht für den bischöflichen Weinberg – ein ganz persönliches Geschenk, das die Verbundenheit zur Region unterstreicht. Der Erzbischof Stefan Heße, mehrere Weihbischöfe und der Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer waren ebenfalls anwesend und zeigten damit, wie sehr Wilmer geschätzt wird.
Mit einem alten Holzstuhl aus Hildesheim im Gepäck, der für ihn bequem ist, wird Wilmer bald seine neue Aufgabe in Münster antreten. Ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt für ihn. Der Termin für seine feierliche Amtseinführung steht noch nicht fest, doch die Vorfreude auf die kommenden Herausforderungen ist spürbar. Wilmer hat nicht nur in Hildesheim, sondern auch in der gesamten katholischen Kirche Deutschlands einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich sein Einfluss in Rom entwickeln wird.