Heute ist der 5.06.2026 und in Hildesheim spürt man die Wehmut in der Luft. Bischof Heiner Wilmer, ein beliebter und nahbarer Bischof, steht kurz vor seinem Abschied. Nach fast acht Jahren im Amt als 71. Bischof von Hildesheim wird er am 21. Juni 2026 die Zügel im Bistum Münster übernehmen und zudem den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz übernehmen. Ein Wechsel, der nicht nur ihn, sondern auch die Menschen, die ihm ans Herz gewachsen sind, bewegt.
Der Abschiedsgottesdienst, der für den 6. Juni um 10 Uhr in Hildesheim angesetzt ist, wird sicher ein emotionaler Moment. Wilmer hat seinen Platz in den Herzen vieler Menschen gefunden, indem er Volksfrömmigkeit und intellektuelle Ansätze harmonisch miteinander verknüpfte. Seine Art, die Dinge anzugehen, war durchaus progressiv für die katholische Kirche. Er hat neue Leitungsmodelle für Laien eingeführt, um deren Mitspracherecht in den Gemeinden zu stärken. Und das in Zeiten, in denen die Mitgliedszahlen der Kirche rückläufig sind. Wilmer hat das Bistum Hildesheim jedoch als solide aufgestellt beschrieben.
Der schwere Abschied
Die Tatsache, dass ihm der Abschied schwerfällt, ist verständlich. Wilmer kommt aus Schapen im südlichen Emsland, nicht allzu weit von Münster entfernt. Trotzdem ist Hildesheim für ihn mehr als nur ein Arbeitsplatz gewesen. Als er von Papst Franziskus die Ernennung zum Bischof von Münster und zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erhielt, wusste er, dass er dem Willen des Papstes folgen musste. „Wenn ich die Ernennung ablehnen würde, müsste ich innerlich aufhören“, äußerte er einmal. Ein kraftvoller Satz, der zeigt, wie sehr ihm seine Aufgabe am Herzen lag.
Er wird einen alten Holzstuhl mit nach Münster nehmen, den er bereits in Bonn und Rom genutzt hat. Ein ganz persönliches Stück, das sicherlich viele Erinnerungen birgt. In Münster wird ihm eine größere Gestaltungsmacht zuteil, aber der Stuhl aus Hildesheim wird ihn immer daran erinnern, wo seine Wurzeln liegen.
Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
Eines der zentralen Themen seiner Amtszeit war die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Wilmer hat neue Wege beschritten und sich für eine umfassende Aufklärung stark gemacht. Aktuell läuft eine dritte Studie zur Aufdeckung von sexualisierter Gewalt und anderen Formen physischer sowie psychischer Gewalt in der Diözese. Diese wird zusammen mit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission Nord und dem Betroffenenrat Nord durchgeführt. Ziel ist es, Taten zu benennen und Täter zu identifizieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Folgen für die Betroffenen.
Diese Untersuchung wird über zwei Jahre laufen und den Zeitraum von 1945 bis 2024 abdecken. Hier blickt man sowohl auf die Lebensgeschichten der Betroffenen als auch auf die der Täter. Wilmer betont, dass es im Bistum Hildesheim über viele Jahre hinweg Fälle von sexualisierter Gewalt gegeben hat, die als Verbrechen einzustufen sind. Diese Aufarbeitung ist ein Prozess, der keinen klar definierten Schlusspunkt hat und das Bistum Hildesheim weiterhin beschäftigen wird.
Ein Blick in die Zukunft
Sein Einfluss könnte in den kommenden Jahren sogar in Rom zunehmen, und die Herausforderungen, die er in Münster antreten wird, sind groß. Der Umgang mit Macht und Missbrauch ist ein Thema, das Wilmer immer wieder aufgreift. Er hält an der umstrittenen These fest, dass der Missbrauch von Macht „in der DNA der Kirche“ steckt. Diese Aussage hat ihm viel Kritik eingebracht, auch international, doch Wilmer bleibt dabei, dass Machtmissbrauch kein ausschließlich kirchliches Problem ist.
Er verweist oft auf die Jünger Jesu, die im Neuen Testament mit Machtstreitigkeiten zu kämpfen hatten. Wilmer sieht die Institutionen in der Pflicht, wachsam zu sein und Mechanismen zur Kontrolle und Gewaltenteilung zu etablieren. In Hildesheim war die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ein bedeutender Schwerpunkt seiner Amtszeit, und viele warten gespannt darauf, wie er in Münster neue Wege beschreiten wird.
Der Abschied von Hildesheim ist zweifelsohne ein Kapitel, das viele mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten werden. Die Bühne in Münster wartet, und wir können uns sicher sein: Wilmer wird auch dort seine Spuren hinterlassen.