Heinrich Friedrich Wiepking – dieser Name steht für eine bewegte Geschichte in der Landschaftsarchitektur, die sich durch die politischen Wirren des 20. Jahrhunderts zieht. Bekannt und geachtet, war er als Garten- und Landschaftsarchitekt sowie Hochschullehrer in Hannover tätig. Über fünf Jahrzehnte prägte er das Fach und hatte dabei seine Finger in vielen Töpfen. Und ja, auch in den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte, in der Weimarer Republik, während des Dritten Reichs und in der Bundesrepublik Deutschland, war er aktiv. Was für ein Leben!

Nach dem Zweiten Weltkrieg sah sich Wiepking mit seiner Vergangenheit konfrontiert, was zu einem gewissen Ringen um das eigene Erbe führte. Unter Umständen, die ihn nicht immer in einem besten Licht erscheinen lassen, war seine Nähe zur Ideologie der Nationalsozialisten nicht zu leugnen. Er arbeitete im Planungsapparat von Heinrich Himmler und war an der Neuordnung annektierter polnischer Gebiete beteiligt – ein Umstand, der sicherlich nicht leicht zu verdauen ist. Doch er fand auch einen Weg zurück zur akademischen Welt und gründete eine Gartenbauhochschule in Hannover, die 1952 in die Leibniz Universität Hannover (LUH) einging.

Ein Blick in die Biografie

Die vielschichtige Biografie von Wiepking wurde kürzlich von Dr. Ursula Kellner in ihrem Werk „Ein Leben zwischen Grün und Braun. Heinrich Friedrich Wiepking. Gartenarchitekt – Landschaftsplaner – Hochschullehrer 1891–1973“ veröffentlicht. Kellner hat sich seit Jahrzehnten mit Wiepking auseinandergesetzt und bietet nun einen tiefen Einblick in seine Karriere, seine Überzeugungen und sein gestalterisches Werk. Dabei werden auch die vielen denkmalwürdigen Gärten behandelt, die heute noch als Erbe seiner Schaffenszeit gelten.

Was Kellners Buch besonders macht, ist die kritische Auseinandersetzung mit Wiepkings Leben, die nicht davor zurückschreckt, auch die dunklen Seiten zu beleuchten. Eine interessante Wendung nimmt die Geschichte, wenn man bedenkt, dass Wiepking nach dem Krieg eine ordentliche Professur an der Hochschule für Gartenbau und Landeskultur erhielt und 1959 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Die Umbenennung des Instituts und seine Ideen

Wiepking war nicht nur ein Mann der Taten, sondern auch ein Visionär, der die Landschaftsgestaltung in die akademische Ausbildung einführte – ein Bereich, den sein Vorgänger Erwin Barth nicht berücksichtigt hatte. So beantragte Wiepking am 31. Januar 1938 die Umbenennung des Instituts in Institut für Landschafts- und Gartengestaltung, und die Umbenennung wurde am 28. November 1939 vollzogen. Diese Schritte zeugen von seiner Überzeugung, dass ästhetische Aspekte in der Landschaftsgestaltung von großer Bedeutung sind.

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Sein Engagement spiegelte sich auch in der Förderung einer gesunden, bäuerlichen Kulturlandschaft wider. Er propagierte Heckenpflanzungen als Wind- und Frostschutz und forderte den Erhalt der Artenvielfalt durch Vogelschutzpflanzungen. In der freien Landschaft setzte er auf heimische Bäume und Sträucher, während er in Gärten auch Exoten zuließ. Wer hätte gedacht, dass hinter der Schaufel und dem Spaten so viel politische Geschichte stecken kann?

Einladung zum Vortrag

<pFür alle, die tiefer in die Materie eintauchen möchten, bietet sich am 1. Juni 2026 die Gelegenheit, mehr über Wiepking zu erfahren. Dr. Ursula Kellner wird um 18:00 Uhr einen Vortrag über ihn halten, und das in Hannover, wo alles begann. Der KiKa-Hörsaal am Institut für Landschaftsarchitektur wird zum Schauplatz für diesen spannenden Rückblick auf das Leben eines umstrittenen Gartenarchitekten und Landschaftsgestalters. Der Eintritt ist frei, und es wird sogar ein Umtrunk geben – eine tolle Gelegenheit, um in angeregten Gesprächen den Abend ausklingen zu lassen.

Es ist schon faszinierend, wie sehr eine Person, die mit der Natur und dem Grün verbunden ist, gleichzeitig in so komplexe politische Strukturen verwickelt sein kann. Doch genau das macht die Auseinandersetzung mit Wiepking und seiner Biografie so spannend und aufschlussreich. Die Verbindung von Grün und Braun ist nicht nur eine Metapher für seine Karriere, sondern auch ein Spiegelbild der Zeit, in der er lebte. Wer weiß, vielleicht gibt es neue Erkenntnisse, die beim Vortrag zur Sprache kommen werden – es bleibt auf jeden Fall spannend!