Heute ist der 2. Juni 2026, und in Hannover herrscht eine besondere Atmosphäre. Die Stadt ist in ein buntes Gewimmel aus Läufern und Zuschauern getaucht, alle versammelt für den großen Marathon. Es ist nicht nur ein Wettlauf – es ist ein Fest des Sports, das die Menschen zusammenbringt. Doch während die einen die Ziellinie mit jubelnden Rufen überqueren, erleben andere eine ganz andere Realität. Manche von ihnen brechen erschöpft zusammen, und hier kommen die Rettungssanitäter ins Spiel. Eliane Charbonnier und Lorenz Loßin stehen bereit, um schnell zu helfen, wo es nötig ist.
Im Zielbereich ist die Lage angespannt. Ein Teilnehmer hat wiederholt Kreislaufprobleme und wirkt desorientiert. Die Rettungskräfte versuchen, ihn mit einer Rolltrage ins 250 Meter entfernte Versorgungszelt zu bringen. Doch der Mann ist nicht einfach zu händeln und droht, von der Trage zu springen. Inmitten von gesperrten Straßen und dichten Menschenmengen müssen Stephan Brandt und Michael Jakobson ebenfalls ihre ganze Konzentration aufbringen. Nur einige Meter entfernt liegt ein Läufer mit schmerzhaften Krämpfen am Boden. Ein weiteres Team kümmert sich um eine Läuferin, die ebenfalls mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hat. Die Johanniter Unfallhilfe begleitet den Marathon mit einer stattlichen Truppe von 264 Personen, bereit, für die 33.000 Läuferinnen und Läufer sowie die 250.000 Menschen an der Strecke zu helfen.
Die Herausforderungen der Sanitäter
Die Zunahme von Laufsportveranstaltungen in Deutschland ist unübersehbar. Immer mehr Menschen entdecken das Laufen für sich, und damit steigen auch die Anforderungen an die Rettungsdienste. Sie müssen sich auf unterschiedlichste Notfälle einstellen, die von der Professionalisierung des Sports, der Laufstrecke, den Wetterbedingungen und dem individuellen Gesundheitsprofil der Teilnehmenden abhängen. Vorbestehende Erkrankungen wie Hypertonie oder koronare Herzkrankheit sind hierbei nicht zu unterschätzen. Teilnehmer, die an Diabetes leiden, müssen besonders aufpassen – sie laufen Gefahr, in eine symptomatische Hypoglykämie zu geraten, wenn sie sich überanstrengen.
In den letzten Jahren hat sich die medizinische Betreuung bei solchen Veranstaltungen stetig weiterentwickelt. Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Marathonläufer während der Wettkämpfe Schmerzmittel einnimmt – bis zu 49 % nutzen nicht verschreibungspflichtige Medikamente, was gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Und wenn wir über Flüssigkeitsmanagement sprechen, sind wir schnell bei einem weiteren Problem: Bis zu 13 % der Läufer könnten durch übermäßigen Konsum hypotoner Getränke in eine Hyponatriämie geraten, eine ernsthafte Bedrohung für ihre Gesundheit.
Plötzlicher Herzstillstand – ein ernstes Risiko
Die erschreckende Wahrheit ist, dass in Deutschland jährlich rund 900 Sportler am plötzlichen Herztod sterben. Zwei Vorfälle, die im Frühjahr 2026 in Bonn und Hamburg stattfanden, verdeutlichen die Dringlichkeit, die mit solchen Veranstaltungen einhergeht. Bei diesen Vorfällen, bei denen beide Marathonläufer überlebten, waren es die sofortigen Maßnahmen und ausgebildeten Helfer, die entscheidend für das Überleben waren. Das Sudden Cardiac Death-Register dokumentierte in den letzten viereinhalb Jahren 265 Fälle, wobei 96 % der Betroffenen Männer waren, oft Freizeitathleten. Vor allem in der Schlussphase eines Marathons ist die Gefahr eines plötzlichen Herzstillstands besonders hoch. Auf 1,2 Millionen Teilnehmer gab es 17 solcher Vorfälle – ein statistisches Risiko, das man nicht ignorieren sollte.
Die Vorbereitung ist das A und O. Ein gut geplanter Notfallplan, der den Einsatz von Defibrillatoren (AED) einschließt, kann die Überlebensrate bei kardialen Notfällen signifikant erhöhen. In der heutigen Zeit, wo der Sport boomt und immer mehr Menschen aktiv werden, ist es unerlässlich, dass auch die medizinische Versorgung auf diese Herausforderungen eingestellt ist. Schließlich ist es nicht nur ein Wettkampf, sondern auch eine Frage des Lebens und der Gesundheit – sowohl für die Läufer als auch für die Helfer, die bereitstehen, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen.