Hameln, die charmante Stadt im Weserbergland, hat mehr als nur ihre malerische Altstadt zu bieten. Sie ist vor allem bekannt als die Rattenfängerstadt. Die düstere Sage um den Rattenfänger, die hier im Jahr 1284 ihren Anfang nahm, zieht nicht nur Touristen an, sondern hat auch einen festen Platz in den Herzen vieler Menschen weltweit. Über eine Milliarde Menschen kennen diese Geschichte, die in mehr als 30 Sprachen erzählt wird. Besonders in Ländern wie Japan und den USA erfreut sie sich großer Beliebtheit und wird oft im Schulunterricht behandelt.

Was ist also das Geheimnis hinter dieser berühmten Sage? Der Rattenfänger, ein gutaussehender junger Mann mit einer silbernen Flöte, wurde von den Stadtoberen nicht bezahlt, nachdem er die Stadt von einer Rattenplage befreit hatte. In seiner Wut lockte er die Kinder mit seiner Melodie weg. 130 von ihnen verschwanden auf mysteriöse Weise, und die Geschichte wurde von den Gebrüdern Grimm niedergeschrieben. Die Sage zählt zu den bekanntesten in Deutschland und wurde seitdem zu einem wichtigen Bestandteil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Ein Besuch in Hameln

Ein kurzer Ausflug von Bremen nach Hameln ist ein absolutes Muss. Die Altstadt ist mit ihren Fachwerkhäusern und historischen Plätzen einfach zauberhaft. Ein Highlight ist das Stiftsherrenhaus, ein bedeutendes Bauwerk der Weserrenaissance, das ein Museum und eine Konditorei beherbergt. Und die Marktkirche St. Nicolai? Die zweitälteste Kirche der Stadt bietet die Möglichkeit zur Turmbesteigung, wo man mit einem grandiosen Blick über die Stadt belohnt wird.

Wer die Sage hautnah erleben möchte, sollte sich die täglichen Aufführungen des Rattenfänger-Figurenspiels am Hochzeitshaus an der Osterstraße nicht entgehen lassen. Um 13:05, 15:35 und 17:35 Uhr wird die Geschichte lebendig, und die Kinderaugen leuchten. Ein beliebter Foto-Hotspot ist der neue Rattenfänger-Brunnen vor dem Hochzeitshaus, wo sich Jung und Alt gerne für ein Erinnerungsfoto versammeln.

Das Rattenfängerhaus an der Osterstraße, erbaut 1602/1603, ist ein weiteres Muss. Die originale Fassade und die Inschrift über den Auszug der Kinder erzählen von der langen Geschichte der Stadt. Im Inneren befindet sich das „Indiahaus Hameln“, ein einladender Ort zum Verweilen. Und wenn es um deftige Speisen geht, führt kein Weg am „Rattenkrug“ an der Bäckerstraße vorbei – Hamelns ältester Gaststätte, die für ihre herzhaften Gerichte bekannt ist.

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Ein kulturelles Erbe

Die Rattenfängersage hat nicht nur in Hameln, sondern auch in der Literatur, Musik und Film ihre Spuren hinterlassen. Die Stadt vergibt seit 1984 den Rattenfänger-Literaturpreis für phantastische Kinder- und Jugendliteratur. Diese Auszeichnungen zeugen von der lebendigen Tradition, die die Sage auch heute noch ausstrahlt. Es ist kaum zu fassen, dass die älteste Überlieferung der Sage aus dem 15. Jahrhundert stammt und die Geschichte von einer Kindesentführung erzählt, die seither immer wieder neu interpretiert wurde.

Der Bewerbungsprozess für das immaterielle Kulturerbe war ein Gemeinschaftswerk, an dem Bürger, Gemeinschaften und Vereine mitwirkten. Hameln hat sich um die Aufnahme des Brauchtums beworben, und im Dezember 2014 wurde die Rattenfängersage schließlich in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Oberbürgermeister Claudio Griese bezeichnete dies als großen Erfolg und wichtigen Etappensieg. Der Weg zum Welterbe ist damit zwar noch nicht abgeschlossen, aber Hameln hat einen bedeutenden Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Schriftstellerin Felicitas Hoppe, gebürtige Hamelnerin und Georg-Büchner-Preisträgerin, bezeichnete die Sage als ihre „Ideenbatterie“. Sie hat die Rattenfängersage sogar für einen internationalen Schreibwettbewerb des DAAD gewählt. So zeigt sich, dass die Geschichte um den Rattenfänger nicht nur Touristen fasziniert, sondern auch kreative Köpfe anregt und inspiriert.