Die Straßen in Niedersachsen könnten bald von neuen Gesichtern belebt werden – und das nicht nur durch den Wind, der hier oft um die Ecken pfeift. Busunternehmen in der Region haben sich auf eine spannende Reise begeben: Sie suchen neue Fahrer aus Südafrika! Ja, richtig gehört. Einem akuten Personalmangel zum Trotz hat das Pilotprojekt zur Anwerbung ausländischer Busfahrer Fahrt aufgenommen. Der ehemalige Busfahrer Justice Sipahlanga aus Kapstadt ist einer der ersten, die in einer Fahrschule in Goslar das Steuer in die Hand nehmen. Mit einem Arbeitsvertrag bei Stadtbus Goslar in der Tasche, wird er bald als einer der neuen Gesichter hinter dem Lenkrad sitzen.

Anne Sagner, die Geschäftsführerin des Unternehmens, bringt es auf den Punkt: „Die Fachkräftegewinnung gestaltet sich schwierig.“ In den kommenden fünf bis acht Jahren wird ein Drittel der Belegschaft das Unternehmen verlassen. Der Mangel an Busfahrern ist bereits jetzt alarmierend – rund 20.000 Fahrer fehlen in Deutschland, und die Tendenz zeigt steil nach oben. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen berichtet, dass drei Viertel der Nahverkehrsbetriebe betroffen sind. „Es ist wie ein Kartenhaus, das droht zusammenzubrechen“, könnte man sagen. Fast ein Viertel der Firmen überlegt, den Betrieb aufgrund des Fahrermangels einzustellen oder zumindest auszudünnen. Gründe dafür sind vielfältig: Eine alternde Gesellschaft, der anstrengende Beruf mit Schichtarbeit und der hohe Kundenkontakt machen es nicht gerade leicht, neue Fahrer zu gewinnen.

Ein neues Kapitel in der Busbranche

Aktuell werden zehn Männer und Frauen aus Südafrika in Goslar ausgebildet. Die Ausbildung umfasst 140 Theorie- und 10 Fahrstunden, wobei die bereits vorhandene Fahrerfahrung anerkannt wird. Parallel dazu lernen die Fahrschüler Deutsch – schließlich ist die Abschlussprüfung auf Deutsch. Projektleiter Carsten Gierga hat ambitionierte Pläne: Bis 2030 sollen 1.000 Fahrer aus Südafrika nach Deutschland geholt werden. Eine Herausforderung, die es in sich hat!

In Goslar selbst ist das Mobilitätsangebot bereits auf einem guten Weg. Die Stadt bietet eine zuverlässige, pünktliche und sichere Beförderung – eine echte Alternative zum eigenen Auto. Das Ziel ist klar: die Förderung von Fahrgemeinschaften und die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Hier wird bereits an einem neuen Netzwerk von Bus- und Bahnen gearbeitet. Partner wie die Verden-Walsroder Eisenbahn GmbH und die Göttinger Verkehrsbetriebe haben sich zusammengeschlossen, um den Bürgern mehr Mobilität zu bieten. So gibt es in Göttingen 20 Stadt- und 10 Nachtbuslinien, die verschiedene Stadtteile miteinander verbinden.

Ein Blick in die Zukunft

Doch der Mangel an Busfahrern ist nicht nur ein lokales Problem. Laut dem BDO könnte die Zahl der fehlenden Fahrer bis 2030 auf bis zu 65.000 steigen, wenn nicht schnell gegengesteuert wird. Alarmierend ist, dass 57 % der Bus- und Straßenbahnfahrer über 55 Jahre alt sind. Jährlich gehen zwischen 4.000 und 6.000 Fahrer in den Ruhestand – ein echter Aderlass! Die Gründe liegen auch in den 1990er Jahren, als viele Einstellungsstopps verhängt wurden. Um jüngere Fahrer zu gewinnen, werden bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Entlohnung gefordert. Im Durchschnitt verdienen Busfahrer rund 3.200 Euro brutto im Monat, viele machen Überstunden, um über die Runden zu kommen.

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Die Ausbildungskosten für Busfahrer belaufen sich auf 10.000 bis 12.000 Euro. Das ist eine Hürde, die nicht nur einheimische, sondern auch ausländische Bewerber oft abschreckt. Politische Maßnahmen zur Bekämpfung des Fahrermangels scheinen ins Stocken geraten zu sein, und die Gefahr, dass die Verkehrswende und der Klimaschutz darunter leiden, ist real. Denn um die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, werden etwa 87.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Eine gewaltige Herausforderung, die es zu meistern gilt.