Heute, am 5. Mai 2026, erheben die Stimmen des Aktionsbündnisses Trans* HRT Göttingen (athrtgoe) auf den Straßen Göttingens einen klaren Protest: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat die Ausstellung von Kassenrezepten für Hormonersatztherapien (HRT) für viele trans* Patientinnen eingestellt. Was für viele wie ein Schlag ins Gesicht wirkt, bedeutet nicht nur ein bürokratisches Chaos, sondern auch erhebliche finanzielle Hürden für die Betroffenen. Statt Kassenrezepte zu erhalten, müssen sich viele nun mit Privatrezepte zufriedengeben – ein Umstand, der nicht nur diskriminierend, sondern auch gesundheitsgefährdend ist!

Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, plant das Aktionsbündnis eine Kundgebung an der UMG am 9. Mai. Ihre Forderung ist klar und unmissverständlich: Die Wiederherstellung der Ausstellung von Kassenrezepten für alle gesetzlich Versicherten. Ein rechtliches und moralisches Gebot, da jeder das Recht auf eine bedarfsgerechte und diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung hat. Das ist nicht nur eine Forderung, sondern ein Grundpfeiler für die Würde und das Wohlbefinden von trans* Personen.

Die gesundheitlichen Folgen der Diskriminierung

Trans* Personen, die sich nicht oder nicht ausschließlich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, sind oft mit Stigmatisierung und Diskriminierung konfrontiert. Diese Erfahrungen führen zu einem erhöhten Minderheitenstress, der sich negativ auf die physische und mentale Gesundheit auswirkt. Wenn der Zugang zu medizinischer Versorgung wie HRT erschwert wird, verschärft das die ohnehin schon angespannten Lebensrealitäten dieser Menschen. Laut internationalen Untersuchungen gibt es zahlreiche Zugangsbarrieren und Versorgungsdefizite im Gesundheitssystem für trans* Personen. Das ist nicht nur ein deutsches Problem, sondern ein internationales.

In Göttingen wird dies besonders deutlich. Die UMG, die eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung der Region spielt, hat sich mit ihrer Entscheidung, Kassenrezepte nicht mehr auszustellen, in eine kritische Lage gebracht. Viele trans* Personen wünschen sich medizinische Maßnahmen im Rahmen ihrer Transition, die jedoch eine kompetente und empathische Versorgung erfordern. Die Realität sieht oft anders aus: Statt Unterstützung gibt es häufig Vorurteile und Missverständnisse.

Das Projekt Transpower und die Suche nach Lösungen

Hier kommt das Forschungsprojekt Transpower ins Spiel, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wird. Ziel ist es, die Erfahrungen und Bedarfe von trans* Personen in der Primärversorgung zu erfassen. Durch longitudinale qualitative Interviews und Umfragen soll ein umfassendes Bild entstehen, das Handlungsempfehlungen für eine bessere medizinische Versorgung ableitet. Der Fokus liegt dabei auf der Identifikation von Barrieren, die trans* Personen im Gesundheitswesen erleben.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Konsortialführung hat Prof. Dr. Stephanie Stiel von der Medizinischen Hochschule Hannover inne, und gemeinsam mit Partnern wie der AOK Niedersachsen wird an Lösungen gearbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiative dazu beiträgt, die strukturellen Barrieren im Gesundheitssystem abzubauen. Denn trotz rechtlicher Reformen, wie dem Selbstbestimmungsgesetz, das im April 2024 verabschiedet wurde, bleibt der Zugang zu einer diskriminierungssensiblen Gesundheitsversorgung eine Herausforderung.

Der Weg zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung

Es ist klar: Marginalisierung und Diskriminierung haben tiefgreifende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von trans* und nicht-binären (TNB) Personen. Die Gatekeeping-Strukturen im Gesundheitssystem, die oft dazu führen, dass Betroffene sich in einer hilflosen Abhängigkeit von Behandler*innen befinden, müssen dringend reformiert werden. Authentische und empathische therapeutische Beziehungen können helfen, Barrieren abzubauen und eine respektvolle, selbstbestimmte Behandlung zu ermöglichen.

Die Erfahrungen vieler TNB Personen sind geprägt von Ausgrenzung und Diskriminierung – nicht nur im Alltag, sondern auch im Gesundheitssystem. Misgendering, Vorurteile und die Weigerung, Geschlechtsidentitäten anzuerkennen, sind leider keine Seltenheit. Es braucht eine respektvolle, trans- und trauma-informierte Praxis, um der komplexen Realität von TNB Personen gerecht zu werden. Nur so kann eine gerechte Gesundheitsversorgung erreicht werden, die wirklich für alle zugänglich ist.