Am 14. Mai bricht ein ganz besonderes Team auf – drei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Gifhorn machen sich auf den Weg nach Südafrika. Ulla Evers, die Leiterin des Frauenhauses, Mia Warnecke und Kaja Reiche fliegen für neun Tage, um eine Projektpartnerschaft mit der St. Matthews Evangelical Lutheran Church einzugehen. Die Hintergründe sind ernst: Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem, das uns alle angeht und internationale Solidarität erfordert. Die Partnerschaft hat das Ziel, den Gewaltschutz für Frauen und Kinder in Südafrika zu stärken. Ja, da geht’s um mehr als nur einen Austausch – es geht um Lebensqualität, Sicherheit und letztlich um die Zukunft vieler Frauen und ihrer Kinder.
Im Vorfeld gab es bereits einige Online-Treffen, initiiert von Inge Steffens, die als Repräsentantin des Landes Niedersachsen im Eastern Cape fungiert. Hier wurden gemeinsame Fragestellungen identifiziert, die für eine nachhaltige Projektpartnerschaft wichtig sind. Ulla Evers betont den enormen Wert des Austausches über Grenzen hinweg. „Internationale Erfahrungen bereichern die Arbeit“, sagt sie, „blind Flecken im Hilfesystem können sichtbar werden.“ Und das ist es, was es ausmacht: Der persönliche Kontakt. Das Motto der Partnerschaft „Feel the People“ ist nicht nur ein Spruch, sondern auch ein Versprechen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht.
Unterstützung vor Ort
Das Frauenhaus Gifhorn ist weit mehr als ein Ort der Zuflucht. Hier wird Unterstützung durch ein professionelles Team geboten, das sich um die Belange der Bewohnerinnen kümmert. Die Frauen, die hier Zuflucht suchen, kommen oft aus akuten Gefahrensituationen und benötigen nicht nur Schutz, sondern auch Hilfe bei der Krisenbewältigung. Es ist ein Ort, an dem Ängste abgebaut und neue Perspektiven entwickelt werden können. Die Atmosphäre ist vertrauensvoll, was in solchen Momenten ungemein wichtig ist.
Ein Aufenthalt im Frauenhaus ist zeitlich begrenzt – einige Tage, Wochen oder Monate. Die Frauen entscheiden selbst über die Dauer ihres Aufenthalts, was ihnen ein Stück Kontrolle zurückgibt. Bei voller Belegung wird dennoch Unterstützung bei der Suche nach alternativen Unterkünften angeboten. So wird niemand im Stich gelassen. Die Aufnahme ist für alle Frauen in akuter Notlage offen, unabhängig von Herkunft oder finanzieller Lage. Das ist der Grundsatz, auf dem das Frauenhaus beruht.
Globale Verantwortung
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass das Thema Gewalt gegen Frauen nicht nur lokal, sondern auch global betrachtet werden muss. Die Vereinten Nationen, der Europarat und die Europäische Union setzen sich aktiv für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein. Initiativen wie die Istanbul-Konvention, die Deutschland 2017 ratifiziert hat, sind essenziell, um internationalen Standards zu setzen und Frauen zu schützen. Die EU hat am 1. Juni 2023 der Istanbul-Konvention beigetreten – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.
Die Herausforderung bleibt groß. Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das in vielen Gesellschaften tief verwurzelt ist. Deshalb sind Partnerschaften wie die zwischen dem Frauenhaus Gifhorn und der St. Matthews Evangelical Lutheran Church wichtig. Sie zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und Lösungen zu finden. Im September 2026 werden die ersten Gegenbesuche aus Südafrika in Gifhorn stattfinden – ein weiterer Schritt, um den persönlichen Austausch zu festigen und die Arbeit im Gewaltschutz weiter zu verbessern. Und das ist etwas, worauf wir uns freuen können.