Kapitänin auf hoher See: Taalke Middents bricht mit Traditionen und steuert in eine neue Zukunft
In einer Welt, wo das Meer unermüdlich seine Wellen schlägt, gibt es Menschen, die das Unbekannte lieben und sich den Herausforderungen der Seefahrt stellen. Taalke Middents, die jüngste Kapitänin bei Hapag-Lloyd, ist so ein Mensch. Gerade einmal 35 Jahre alt, hat sie kürzlich ihre erste sechsmonatige Reise als Kapitänin auf dem beeindruckenden Containerschiff „Linah“ hinter sich gebracht. Auf dieser Reise, die sie von Slowenien über Ägypten und rund um Afrika bis nach China führte, bewältigte sie nicht nur die Herausforderungen des Meeres, sondern auch die der internationalen Zusammenarbeit. Und das alles auf einem Schiff, das Platz für fast 15.000 Container bietet! Ein beachtlicher Job für eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Branche behauptet.
Taalkes Weg zur See begann nicht ganz klassisch. Auf Borkum, wo sie Kontakt zu Seenotrettern und ehemaligen Kapitänen hatte, wurde ihr Interesse an der Seefahrt geweckt. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens mit Schwerpunkt Seefahrt. Ihre erste Seereise führte sie 2009 in die Karibik, wo sie für ein Praxissemester an Bord eines Frachters arbeitete. Seitdem hat sie auf verschiedenen Schiffen Erfahrungen gesammelt, sei es auf einem Kreuzfahrtschiff oder eben als Kapitänin. Die Verantwortung für das Schiff, die Ladung und die internationale Besatzung trägt sie mit Stolz, und teilt die Herausforderungen des Seemannsl Lebens mit ihrem Team. Teamevents, wie Grill- oder Karaoke-Partys, sind für sie ein wichtiger Bestandteil, um den Zusammenhalt an Bord zu fördern.
Frauen an Bord: Ein frischer Wind in der Seefahrt
Es ist kein Geheimnis, dass der Frauenanteil in der deutschen Handelsflotte mit rund 7% eher gering ist. Bei Hapag-Lloyd liegt dieser sogar bei 5,7%. Im internationalen Vergleich sind es gerade einmal 2%. Taalke hat bereits die Erfahrung gemacht, als einzige Frau an Bord zu sein und spricht offen über die Herausforderungen, die das mit sich bringt. „Es sollte nicht um Geschlecht, sondern um Leistung gehen“, betont sie. Ihre Stimme ist klar: Sie wünscht sich mehr Frauen in der Seefahrt und hebt die Vielfalt, die diese Branche mit sich bringt, hervor. Und damit nicht genug! Hapag-Lloyd hat das Shefarer Programm ins Leben gerufen, das darauf abzielt, den Frauenanteil in der maritimen Industrie zu erhöhen. Partner wie Jebsen PTC und Anglo-Eastern Ship Management unterstützen dieses zukunftsweisende Projekt.
Das Programm hat ein klares Ziel: Mindestens 20% der neuen See-Auszubildenden sollen weiblich sein, und das gilt auch für die internationale Crew, insbesondere für junge Talente aus den Philippinen. Ein wichtiger Schritt, um Frauen in verschiedenen Funktionen – von Kadettinnen bis hin zu Kapitäninnen – als selbstverständlichen Teil der Crew wahrzunehmen. Hapag-Lloyd investiert zudem in neue Schiffe, die mit separaten Umkleideräumen, Duschen und Toiletten für Frauen ausgestattet sind. Aktuell gibt es vier Kapitäninnen im Unternehmen, was 4,6% der Kapitäne ausmacht. Doch das ist erst der Anfang.
Ein Blick in die Zukunft
Für Taalke steht fest, dass die Seefahrt eine Branche ist, die junge Frauen anziehen kann. Ihre nächste Fahrt wird sie auf der „Hongkong Express“ erleben, die von New York nach Sri Lanka, China, Vietnam und Malaysia fährt. Die Vorfreude ist groß, und sie ist bereit, weitere Abenteuer zu erleben. Doch während sie über das Meer schippert, bleibt die Botschaft klar: Seeleute, egal ob Mann oder Frau, sind oft unsichtbar und haben nur wenig Kontakt zur Öffentlichkeit. Es ist an der Zeit, diese unsichtbaren Helden des Meeres ins Rampenlicht zu rücken und die maritime Branche für alle zugänglicher zu machen.
