In Emden gibt es eine Geschichte, die das Herz erwärmt. Ahmed Kandil, ein ausgebildeter Pfleger aus Ägypten, hat hier vor einem Jahr einen Neuanfang gewagt. Was sich anfangs wie ein Sprung ins kalte Wasser anfühlte – ohne Sprachkenntnisse, ohne Familie und Freunde in der Nähe – hat sich zu einem beeindruckenden Erfolg entwickelt. Er hatte das Gefühl, als wäre er ohne Zuhause, doch Ahmed ließ sich nicht unterkriegen. Stattdessen kämpfte er sich durch die bürokratischen Hürden, um in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten zu können.
Nachdem er zunächst als Hilfskraft tätig war, schloss er schließlich seinen Anerkennungskurs ab. Ende April erhielt er dann die offizielle Anerkennung als Pflegefachkraft mit europäischer Qualifikation. Was für eine Leistung! Roland Bitzhöfer, der Einrichtungsleiter des Gezeitenhauses, betont die sowohl fachlichen als auch menschlichen Qualitäten Kandils. Der Mann hat es wirklich drauf und ist bei den Bewohnern und seinen Kollegen sehr beliebt. Es ist schön zu sehen, wie er trotz aller Herausforderungen motiviert und optimistisch bleibt.
Ein neuer Lebensabschnitt
Die Freude über Kandils unbefristete Anstellung ist groß. Seine Geschichte spiegelt ein größeres Thema wider: die Anwerbung internationaler Fachkräfte in der Pflege. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die bestehenden Hürden abzubauen und die Integration dieser Fachkräfte zu erleichtern. Schließlich sind sie ein wichtiger Bestandteil zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Das Gütezeichen „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ sorgt dafür, dass die Rekrutierungsprozesse transparent und fair gestaltet sind. Und das ist gut so!
Doch was bedeutet das für die Zukunft? Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet daran, die Pflegestudiengänge in Partnerländern zu modifizieren und um praktische Ausbildungselemente zu ergänzen. So können internationale Pflegefachkräfte nicht nur ihre Fähigkeiten einbringen, sondern direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Ein Konzept, das auf jeden Fall Nachahmer finden sollte.
Die Rolle der dualen Ausbildung
In Deutschland gilt das duale Ausbildungssystem als eine der besten Lösungen, um Fachkräfte auszubilden. Ein Bericht der OECD aus 2020 hebt hervor, wie wichtig die berufspraktischen Elemente sind, um gute Arbeitsmarktergebnisse zu erzielen. Im Vergleich zu anderen Ländern, in denen häufig schulische Ausbildungssysteme dominieren, bietet Deutschland mit seinen 325 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen hervorragende Perspektiven. Das ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die Jugendarbeitslosenquote hier mit 6,2% im Vergleich zu vielen anderen EU-Ländern sehr niedrig ist.
Umso wichtiger ist es, dass auch internationale Fachkräfte die Möglichkeit erhalten, ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen. Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie soll hier Klarheit schaffen. Doch das ist nicht immer einfach. Viele internationale Pflegefachkräfte stehen vor der Herausforderung, dass ihre im Ausland erworbenen Kenntnisse nicht immer sofort anerkannt werden. Hier kommt die zentrale Informationsstelle zur Berufsanerkennung (ZAB) ins Spiel. Sie sorgt dafür, dass die Anerkennung der Qualifikationen transparent und nachvollziehbar gestaltet wird.
Die AWO plant zudem Investitionen im Gezeitenhaus Emden, um Rückzugsflächen und neue Therapiemöglichkeiten zu schaffen. Der Ausbau von vier Innenhöfen und die Sanierung der Großküche könnten nicht nur den Bewohnern zugutekommen, sondern auch den Mitarbeitern eine kleine Oase der Ruhe bieten. Ahmed Kandil ist ein Teil dieser Entwicklung. Vielleicht wird er eines Tages selbst dazu beitragen, dass auch andere internationale Fachkräfte einen Ort finden, an dem sie sich wohlfühlen und ihre Talente entfalten können.