In Delmenhorst spitzt sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt immer weiter zu. Die Wohnungsknappheit ist nicht nur ein Schlagwort, sondern bittere Realität für viele Familien. Besonders große Haushalte mit speziellen Bedürfnissen stehen vor großen Herausforderungen. Ein besonders trauriges Beispiel ist die alleinerziehende Mutter Olga Butt. Sie erhielt im März eine Eigenbedarfskündigung und sieht sich nun der drohenden Obdachlosigkeit ausgesetzt – und das schon in der kommenden Woche! Es ist kaum zu fassen, dass in einer Stadt wie Delmenhorst, die laut dem Pestel-Institut jährlich 670 neue Wohnungen benötigt, die Realität ganz anders aussieht. Im ersten Halbjahr 2023 wurden lediglich 104 Baugenehmigungen erteilt. Da fragt man sich: Wo bleibt der versprochene „Bauturbo“?
Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Stefan Ludwig, Geschäftsführer der GSG, verdeutlicht: „Große Wohnungen sind strukturell seltener und stark umkämpft.“ Besonders für Olga Butt, die dringend eine Wohnung für sich, ihre zwei kleinen Kinder und ihre 81-jährige Mutter benötigt, ist die Suche nach einem geeigneten Zuhause eine regelrechte Odyssee. Ihre Mutter kann keine Treppen steigen, was die Suche zusätzlich erschwert. Trotz 20 Anfragen für Wohnungen hat sie oft nur Ablehnungen erhalten – in vielen Fällen aufgrund ihrer Sozialleistungen. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch zutiefst ungerecht.
Die Bittere Wahrheit über Leerstände
Aber das ist noch nicht alles. In Delmenhorst fehlen rund 3.400 Wohnungen. Kommt Ihnen das nicht seltsam vor, wenn man bedenkt, dass 680 Wohnungen seit über einem Jahr leer stehen? Matthias Günther, Chef-Ökonom des Pestel-Instituts, sieht den Neubau als „mit angezogener Handbremse“ unterwegs. Er fordert nicht nur den Bau von rund 670 neuen Wohnungen pro Jahr in den nächsten fünf Jahren, sondern hält dieses Ziel für „nicht machbar“. Was läuft hier schief?
Die aktuellen Baugenehmigungen sind auf einem „denkbar niedrigen Niveau“, so BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Sie kritisiert fehlende kurzfristige Anreize für den Wohnungsbau und betont die entscheidende Rolle, die der Wohnungsbau für die Binnenkonjunktur spielt. „Der Bundeskanzler sollte das zur Chefsache machen“, fordert sie. Das klingt fast wie ein Hilferuf – und das zu Recht. Denn die komplexen und hohen Kosten des Bauens schrecken viele private Bauherren ab. Günther appelliert an die Rücknahme aller Auflagen der letzten zehn Jahre, um den Wohnungsbau zu erleichtern.
Ein Ausweg aus der Krise?
Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Olga Butt hofft, dass sie vor einer Räumungsklage doch noch eine Wohnung für sich und ihre Familie findet. Doch die Aussichten sind düster, denn große Wohnungen (ab 4,5 Zimmer) sind besonders rar gesät und werden oft von den aktuellen Mietern langfristig gehalten. Der Wegfall von Umweltauflagen könnte vielleicht helfen – das zumindest sagt Ratsherr Hartmut Rosch von den Linken. Doch ob das ausreicht, um die massive Wohnungsnot zu bekämpfen?
Die Sorgen und Nöte der Menschen in Delmenhorst sind greifbar. Die Stadt braucht dringend Lösungen, um der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken und Menschen wie Olga Butt ein sicheres Zuhause zu bieten. Der Druck auf die Kommunalpolitiker wächst, und es bleibt zu hoffen, dass endlich die nötigen Schritte unternommen werden, um den Wohnungsbau wieder ins Laufen zu bringen.