In Delmenhorst rumort es. Die Taxiunternehmen haben zum November 2022 einen Antrag auf eine Preiserhöhung von rund 15 Prozent gestellt. Ein Vorstoß, der nicht ganz ohne Grund kommt. Die steigenden Personal- und Betriebskosten, insbesondere durch den ansteigenden Mindestlohn, drücken schwer auf die Kassen der Taxiunternehmer. Ein Gutachten des Ingenieurbüros für Systemberatung und Planung (ISUP) hat nun Vorschläge für neue Tarife ausgearbeitet, die die Situation etwas entspannen könnten.
Was bedeutet das für die Fahrgäste? Die Grundgebühr an Werktagen soll von 4,60 Euro auf 5,20 Euro steigen. Für kürzere Strecken unter 10 km wird der Kilometerpreis von 2,90 Euro auf 3,50 Euro angehoben. Längere Fahrten, ab 10 km, kosten nun 3,00 Euro pro Kilometer, statt bisher 2,60 Euro. Nachts, also von 22 bis 6 Uhr, und an Sonn- und Feiertagen wird es ebenfalls teurer: Die Grundgebühr erhöht sich von 4,90 Euro auf 5,50 Euro. Auch die Kilometerpreise steigen dann: für Strecken unter 10 km von 3,00 Euro auf 3,60 Euro; ab 10 km von 2,70 Euro auf 3,10 Euro. Wer auf das Taxi angewiesen ist, wird sich also ab dem 1. Juli 2023 auf höhere Kosten einstellen müssen.
Unterstützung für die Preiserhöhung
Die Pläne stoßen nicht nur auf Widerstand. Der Bürgerausschuss wird am 2. Juni 2023 über die Erhöhung beraten, und bereits jetzt kommt Unterstützung von verschiedenen Seiten. Die Industrie- und Handelskammer, die Gewerkschaft Verdi, das Eichamt Niedersachsen und der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen haben sich hinter die Erhöhung gestellt. Das Gutachten stellt fest, dass die Fahrpreise in Delmenhorst bereits zu den höheren in Niedersachsen gehören. Ein Umstand, der nicht zu unterschätzen ist.
Doch die Sorgen um die wirtschaftliche Lage sind groß. Die Mindestlohnkommission hat kürzlich entschieden, den gesetzlichen Mindestlohn ab dem 1. Januar 2025 auf 12,82 Euro pro Stunde anzuheben, mit weiteren Steigerungen in den Jahren danach. Die Branche sieht sich also einem ständigen Druck ausgesetzt. Patrick Meinhardt, ein Vertreter des Taxi- und Mietwagenverbands, äußert Bedenken, dass ohne entsprechende Tarifanpassungen die Lohnerhöhungen nicht tragbar sind. Er spricht von einer möglichen Welle von Insolvenzen im Taxi- und Mietwagengewerbe, was die ohnehin angespannte Lage noch schwieriger macht.
Ein Blick in die Zukunft
Die wirtschaftliche Stagnation und die konjunkturellen Herausforderungen, mit denen die Branche kämpft, werfen einen langen Schatten. Die Debatte über die Preiserhöhungen in Delmenhorst ist also nur ein Puzzlestück in einem größeren Bild. Die Einführung des Mindestlohns in Deutschland im Jahr 2015 war ein wichtiger Schritt, doch die fortlaufenden Anpassungen bringen auch Risiken mit sich. Die Diskussion um faire Löhne und Wettbewerbsbedingungen bleibt aktuell und wird uns in den kommenden Jahren sicherlich weiterhin beschäftigen.