In Bad Zwischenahn wird aktuell um die Erweiterung der Gedenkstätte Wehnen gerungen, die an die schrecklichen Verbrechen während des Nationalsozialismus erinnert. In der ehemaligen Landesheil- und Pflegeanstalt kamen Hunderte Menschen, darunter 144 aus Delmenhorst, ums Leben. Diese Gedenkstätte ist nicht nur ein Ort des Erinnerns, sondern auch ein notwendiges Zeugnis unserer Geschichte, das uns lehrt, was in der NS-Zeit geschehen ist. Der Weser-Kurier berichtet, dass die Opfer vor allem Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten sowie psychischen Erkrankungen waren, die oft durch Hunger oder mangelnde medizinische Versorgung getötet wurden.
Die bisherigen Räumlichkeiten in der „Alten Pathologie“ reichen nicht aus, um den Bildungs- und Erinnerungsbedürfnissen gerecht zu werden. Die Gedenkstätte benötigt eine umfassende Modernisierung, um besser auf Seminare und Besucher eingehen zu können. Um dies zu realisieren, stehen Gesamtkosten von rund 740.000 Euro im Raum. Jens-Gert Müller-Saathoff, der stellvertretende Landrat des Landkreises Ammerland, betonte in seiner Ansprache zur Eröffnung eines medizinhistorischen Kongresses die Wichtigkeit der Gedenkstätte und die Notwendigkeit, die Erinnerungsarbeit fortzusetzen.
Finanzierungsaspekte und Unterstützung
Von der Stadt Delmenhorst sollen aus dem kommenden Haushalt lediglich 5.000 Euro fließen, obwohl ursprünglich 41.120 Euro beantragt worden waren. Die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten hat jedoch angeboten, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, sofern die verbleibenden 370.000 Euro von verschiedenen Kommunen aufgebracht werden. Eine wichtige Beratung zur Finanzierung ist für Mitte Dezember im Bezirksverband Oldenburg anberaumt.
Um das Bewusstsein für diese tragischen Kapitel der Geschichte zu schärfen, setzen sich auch Filmschaffende ein. Regisseurin Esther Gronenborn hat einen Film über das Schicksal ihrer Großmutter gedreht. Schauspielerin Katja Riemann plant, ihre Erfahrungen in einem Buch festzuhalten und eine dreiteilige Fernsehdokumentation auszustrahlen. Zudem wurde ein interaktives Spiel namens „Spuren auf Papier“ vorgestellt, das die Geschichte einer Patientin aus der NS-Zeit thematisiert und auf anschauliche Art und Weise zur Auseinandersetzung anregt.
Öffentliche Führungen und Bildungsangebote
Ein Highlight für Interessierte wird die öffentliche Führung in der Gedenkstätte Wehnen am 23. November von 12 bis 16 Uhr sein. Hier können sich Besucher ein Bild der Geschehnisse machen und mehr über die Hintergründe erfahren. Eine Voranmeldung ist jedoch notwendig, um die Organisation zu erleichtern. Bei solchen Veranstaltungen ist der Austausch über die Bedeutung der Gedenkstätte immer von großer Wichtigkeit. Die Geschichte der Euthanasie-Morde während des Dritten Reichs, die auf etwa 200.000 ermordete Personen nur aus psychiatrischen Einrichtungen geschätzt wird, muss weiter erzählt werden. Historische Quellen und Informationen aus dem Bundesarchiv belegen die systematischen Morde und die Notwendigkeit, sich mit dieser dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Das Anliegen der Gedenkstätte Wehnen hat nicht nur lokale Bedeutung, sondern ist auch ein zentraler Bestandteil der gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Erweiterung der Gedenkstätte Wirklichkeit werden zu lassen und auf die traurige, aber notwendige Verantwortung im Umgang mit der Geschichte zu fokussieren.