Im Herzen von Delmenhorst, wo die Menschen eher auf ihren täglichen Geschäften fokussiert sind, hat sich in den letzten Tagen etwas Besonderes zusammengebraut – die Campertour! Seit Montag sind die Transplantationsbeauftragten vor Ort, um über ein Thema aufzuklären, das oft im Schatten bleibt: die Organspende. Unter dem Motto „Lass uns drüber sprechen“ wird an Schulen und in Firmen informiert, diskutiert und sensibilisiert. Ein mutiger Schritt, denn das Thema Organspende ist nicht nur wichtig, sondern auch oft von vielen Vorurteilen und Unwissenheit geprägt.

Ingo Stein vom Delme Klinikum Delmenhorst bringt es auf den Punkt: „Wir wollen niemanden missionieren.“ Das ist eine erfrischende Sichtweise, die zeigt, dass es nicht darum geht, Leute zu überreden, sondern vielmehr darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren und eine bewusste Entscheidung zu treffen. Es ist fast schon erschreckend zu erfahren, dass in Delmenhorst in den letzten 18 Jahren lediglich eine Organentnahme stattgefunden hat. Das lässt aufhorchen und verstärkt den Drang, über diese Thematik zu sprechen.

Aufklärung auf allen Ebenen

Die Campertour hat sich mittlerweile als feste Institution zur Aufklärung über Organspende etabliert. Die Idee dazu entstand vor drei Jahren auf einer Messe, und seitdem hat sich die Tour zu einem wichtigen Anlaufpunkt entwickelt. In diesem Jahr ist sie bereits die dritte ihrer Art und macht Halt an verschiedenen „Hotspots“ wie Schulen und Firmen. Auch in Brake, an der Meyer-Werft, im Klinikum Reinkenheide, einer Schule in Leer und ein Klinikum in Hamburg sind die Transplantationsbeauftragten unterwegs, um die Menschen zu erreichen.

Doch es bleibt viel zu tun. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Rund 550.000 Menschen in Deutschland sind im Organspenderegister eingetragen, doch das reicht nicht. Eine repräsentative Umfrage der BZgA hat ergeben, dass 60% der Erwachsenen eine Entscheidung zur Organspende getroffen haben, aber nur 40% davon dokumentiert ist. Das ist alarmierend. Oftmals fehlt es an Informationen, und die Angehörigen sind verunsichert, wenn der Organspendewunsch eines Verstorbenen auf der Intensivstation zur Sprache kommt. Hier setzt die Campertour an. Mit Infoflyern, Diskursen und sogar Werbematerialien wie Sonnenbrillen und Einkaufstaschen wird versucht, das Bewusstsein zu schärfen.

Ein Erlebnis der besonderen Art

Ein weiteres Highlight der Campertour ist das Fallschirmspringen im Varreler Busch. Das klingt nicht nur aufregend, sondern ist auch eine kreative Art, um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen. Solche Aktionen zeigen, dass Aufklärung nicht immer ernst und steif sein muss – sie kann auch Spaß machen und in Erinnerung bleiben. Aber die Begeisterung hört nicht bei den Veranstaltungen auf. Auch Betroffene kommen zu Wort und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Organspenden, was den Menschen oft die Augen öffnet.

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Die Strukturen sind da, um den Menschen zu helfen, die Bedenken ernst zu nehmen und aufzuklären. Der illegale Handel mit Organen ist in Deutschland aufgrund strenger Kontrollen ausgeschlossen – ein Punkt, der vielen Sorgen nehmen sollte. Stein schlägt sogar vor, den Terminus „Organspendeberater“ für die Transplantationsbeauftragten zu nutzen, um die Rolle zu verdeutlichen. Ein Gedanke, der vielleicht hilfreich sein könnte, um das Vertrauen in das System zu stärken.

Die Diskussion um die Einführung eines Organspenderegisters und eine Widerspruchslösung zeigt jedoch, dass der Informationsbedarf in der Bevölkerung enorm ist. Trotz politischer Kampagnen hat es das Thema nicht ausreichend in das Bewusstsein der Menschen geschafft. Das muss sich ändern, und die Campertour ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Insgesamt zeigt sich, dass die Campertour in Delmenhorst und darüber hinaus eine wichtige Rolle spielt – sie bringt das Thema Organspende auf die Tagesordnung und bietet die Möglichkeit für offene Gespräche. Die Menschen sollen wissen, dass sie jederzeit ihre Entscheidung zur Organspende ändern können. Es ist an der Zeit, dass wir alle anfangen, über dieses wichtige Thema zu sprechen und uns aktiv damit auseinanderzusetzen. Also, lass uns drüber sprechen!