In Niedersachsen hat ein innovatives Projekt das Licht der Welt erblickt, das nicht nur das Bewusstsein für die lebensrettenden Defibrillatoren (AEDs) schärft, sondern auch die Bevölkerung aktiv in die Suche nach diesen Geräten einbindet. Andreas Atzeni, Notfallmediziner und Initiator der „Defi-League“, setzt sich mit seinem Team dafür ein, die Standorte von AEDs im Landkreis Osnabrück zu kartieren und deren Zugänglichkeit zu verbessern. Ein Ziel, das in Anbetracht der alarmierenden Überlebensraten bei plötzlichem Herzstillstand mehr als notwendig ist.

Aktuell überleben in Deutschland nur 7 % der Menschen, die einen Herzstillstand erleiden. Dabei könnte der Einsatz eines Defibrillators vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebensrate auf beeindruckende 70 % steigern. Andreas Atzeni betont, dass in Deutschland bislang keine gesetzliche Meldepflicht für Defibrillatoren besteht. Dies führt zu einer unzureichenden Datenlage, wo und ob diese lebensrettenden Geräte rund um die Uhr verfügbar sind. Mit der Internetseite Defi-League.de wird nun ein interaktives Verzeichnis geschaffen, in dem Nutzer AEDs aufspüren und melden können.

Gemeinsam für mehr Sicherheit

Besonders Schülergruppen sind eingeladen, sich an der „Defi-League“ zu beteiligen. Durch eine digitale Schatzsuche sollen sie motiviert werden, aktiv in ihrer Nachbarschaft nach AEDs zu suchen. Für jeden neu entdeckten Defibrillator gibt es 10 Punkte, für bereits gemeldete 1 Punkt, und am Ende des Wettbewerbs werden Preise verlost. Dies fördert nicht nur das Engagement der Jugendlichen, sondern schärft auch das Bewusstsein für die Bedeutung der schnellen Reaktion im Notfall.

Im Jahr 2022 erlitten in Deutschland schätzungsweise rund 136.000 Menschen außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, was durchschnittlich 370 Fällen pro Tag entspricht. Bei etwa der Hälfte dieser Betroffenen begann der Rettungsdienst mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Überlebensrate blieb jedoch stabil bei knapp 11 %. Es ist besorgniserregend, dass in nur 2 % der Fälle Ersthelfer vor dem Eintreffen der Rettungskräfte eine Defibrillation durchführten. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Bevölkerung zu schulen und über die Verfügbarkeit von AEDs zu informieren.

Notwendigkeit der Reformen

Die Björn-Steiger-Stiftung hat wiederholt darauf hingewiesen, dass ein Eintreffen der Sanitäter nach zehn oder fünfzehn Minuten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu spät ist. Trotz der Tatsache, dass der Rettungsdienst 2024 in 73,2 % der Fälle innerhalb von acht Minuten eintraf, wurde das bundesweite Ziel von 80 % erneut verfehlt. Zudem gibt es Verbesserungsbedarf in der Krankenhausversorgung, insbesondere beim Temperaturmanagement, welches 2024 nur bei 17,3 % der Patienten angewandt wurde.

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Die Daten des Deutschen Reanimationsregisters zeigen, dass die Ersthelfenden-Reanimationsquote in den letzten Jahren leicht gestiegen ist. Im Jahr 2024 lag die Quote in der Referenzgruppe bei 55,4 %. Dennoch bleibt die Frage, wie effektiv wir als Gesellschaft im Umgang mit plötzlichem Herzstillstand sind. In 55 % der Fälle war ein kardiales Ereignis die Ursache, und etwa 70 % der Reanimationen fanden im häuslichen Umfeld statt. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die Bevölkerung nicht nur über die Verfügbarkeit von Defibrillatoren zu informieren, sondern auch über die Bedeutung von schnellem Handeln im Notfall.

Andreas Atzeni hofft, dass das Modell der „Defi-League“ Nachahmerprojekte in anderen Regionen inspiriert, um noch mehr Leben zu retten. Denn am Ende zählt jede Sekunde, und die richtige Vorbereitung kann den entscheidenden Unterschied machen.