Heute ist der 29.04.2026 und während sich in Celle die Vorfreude auf das Stadtradeln ausbreitet, werden die Schattenseiten des Radfahrens in Deutschland immer deutlicher. Die jüngsten Berichte zeigen eine besorgniserregende Zunahme von Verletzungen und Todesfällen unter Radfahrern. Insbesondere Niedersachsen gehört zu den vier gefährlichsten Bundesländern für Radfahrer, zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Landkreis Celle allein verloren drei Menschen ihr Leben, und die Zahl der getöteten Radfahrer stieg bundesweit im Jahr 2025 um etwa 25%.
Die Versicherungswirtschaft und der TÜV berichten von einem Rückschritt bei der „Vision Zero“, dem Ziel, keine Verkehrstoten mehr zu haben. Der Anstieg der Verkehrstoten in Niedersachsen übertraf mit 9,1 % von 2024 auf 2025 den Bundesdurchschnitt von 4 %. Während 2024 noch 348 Verkehrstote verzeichnet wurden, stieg die Zahl im darauffolgenden Jahr auf 380. Die Initiative parCelle und der ADFC Langenhagen machen deutlich, dass diese Entwicklung nicht hinnehmbar ist und fordern ernsthafte Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.
Konflikte auf den Straßen
Andreas Lechner von parCelle kritisiert die Verkehrsplanung am „inneren Ring“ in der Celler Altstadt. Hier zeigt sich, dass die Infrastruktur nicht genügend Rücksicht auf die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden nimmt. Statt Fehlertoleranz zu bieten, führt sie zu direkten Konflikten, insbesondere an Gefahrenstellen wie dem Heiligen Kreuz. Obwohl Radfahrer hier gegen die Einbahnstraße fahren dürfen, ist die Straße viel zu eng. Autofahrer reagieren oft perplex oder sogar aggressiv auf entgegenkommende Radfahrer, was die Situation zusätzlich verschärft.
Der Fahrradaktionsplan (FAP) von 2020 sieht vor, Fahrgassen zu verbreitern und ein Tempolimit von 10 km/h einzuführen, um solche Konflikte zu vermeiden. Die Initiative parCelle beteiligt sich aktiv an der bundesweiten Aktion #SucheSicherenRadweg, um auf die Missstände aufmerksam zu machen und Lösungen zu finden. Im Rahmen des Stadtradelsns können Schulen, Firmen und Vereine Unterteams im Verbund „#Suche Sicheren Radweg“ bilden, um gemeinsam für mehr Sicherheit zu kämpfen.
Einladung zur Teilnahme und Nominierung
Für Schulen und Organisationen stehen spezielle Materialien bereit, darunter acht Sätze mit je drei Bannern, die auf mehr Verkehrssicherheit hinweisen. Infostände am 1. Mai an der Stechbahn und am 2. Mai vor dem ehemaligen Karstadt bieten die Möglichkeit, sich zu informieren und aktiv zu werden. Interessierte können Schulen nominieren oder eine E-Mail an leitpfosten@parcelle.de senden. Die Auswahl der nominierten Schulen erfolgt am 3. Mai und wird hoffentlich ein weiterer Schritt in Richtung sicherer Radwege sein.
Die Forderungen des ADFC nach geschützten Radwegen, sicheren Kreuzungen und einer Tempo-Reduzierung innerorts sind klar. Es bleibt abzuwarten, ob die politischen Entscheidungsträger die nötigen Schritte zur Umsetzung der Vision Zero bis 2026 ergreifen. Es ist höchste Zeit, die Verkehrswende ernsthaft voranzutreiben, um das Radfahren in Niedersachsen sicherer und lebenswerter zu gestalten.