In einem bedauerlichen Schritt für die Braunschweiger Bierkultur hat die Mumme-Brauerei H. Nettelbeck KG die Produktion eingestellt. Damit endet eine Ära für die älteste und einzige Mumme-Brauerei in Braunschweig. Geschäftsführer Christian Basilius, der den Betrieb in dritter Generation seit 1996 führt, nennt wirtschaftliche Gründe für die Schließung. „Es war einfach nicht möglich, gewinnbringend zu arbeiten“, erklärt er und beschreibt die Entscheidung als schweren Schritt nach 30 Jahren Produktion.

Die Geschichte der Mumme reicht bis ins Mittelalter zurück und hat ihren Ursprung im Jahr 1390. Im Jahr 1675 wurde die doppelte Segelschiff-Mumme, ein dickflüssiger, alkoholfreier Malzextrakt, entwickelt. Im Laufe der Jahre verlor der Mumme-Handel jedoch zunehmend an Bedeutung, während helles Bier seine Popularität steigerte. Viele Brauereien mussten schließen, doch die Nettelbeck-Brauerei blieb als einzige übrig. Leo Basilius hatte das Rezept von den Erben der Familie Nettelbeck erstanden und die Tradition fortgeführt.

Ein Traditionsprodukt in der Krise

Aktuell sind noch Restbestände der Mumme im Verkauf, bevor die Produktion endgültig eingestellt wird. Mumme-Produkte, darunter auch Bier, Bonbons und Senf, wurden vor allem als Tourismusartikel verkauft. Trotz vieler Versuche, das Sortiment mit weiteren Produkten wie Senf, Likör oder Grillsoße zu erweitern, blieben die Braunschweiger dem Traditionsprodukt fern, sodass sich der Verkauf nicht rentierte.

Das Braunschweiger Stadtmarketing hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Mumme als Aushängeschild der Stadt etabliert. Pressereferentin Stephanie Horn bedauert die Schließung und die Auswirkungen auf das Stadtmarketing. Gespräche mit Basilius zur Sicherung der Braunschweiger Mumme führten bisher nicht zu einer Lösung. Dennoch wird das Stadtmarketing weiterhin mit Partnern zusammenarbeiten, um das Traditionsprodukt zu erhalten.

Ein Blick auf die Braukultur

Bierbrauen hat in Deutschland eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten wird es aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt. Die Kunst des Brauhandwerks, die im Altertum weitgehend dem Zufall überlassen war, entwickelte sich im frühen Mittelalter in Klöstern weiter. Dabei spielt das Wissen und die Erfahrung der Brauer eine entscheidende Rolle. Das Reinheitsgebot, das die Verwendung dieser vier Zutaten vorschreibt, hat sich als identitätsstiftend und verbindend erwiesen.

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Mit der Schließung der Mumme-Brauerei geht ein Stück Braunschweiger Geschichte verloren, das nicht nur für die lokale Gemeinschaft, sondern auch für die Braukultur im Allgemeinen von Bedeutung ist. Die Veranstaltung „Mummegenussmeile“ im November wird dennoch wie geplant stattfinden, und beim Stadtfrühling wird es ebenfalls Mumme-Bier geben, das von der National Jürgens Brauerei gebraut wird. So bleibt wenigstens ein kleiner Funke der Tradition erhalten.

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