Heute ist der 27.05.2026, und während man durch die Braunschweiger Innenstadt schlendert, wird einem schnell klar: Es gibt viele leerstehende Ladenflächen. Rund 100 davon wurden um den Jahreswechsel 2025/26 registriert. Man könnte fast sagen, die Stadt hat sich in eine Art Geisterstadt verwandelt, zumindest was die Geschäfte angeht. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 45 Neueröffnungen von Cafés, Restaurants und Geschäften, doch gleichzeitig wurden auch 44 neue Leerstände verzeichnet. Das ist ein bisschen wie ein ewiges Auf und Ab – für viele Bürger wirkt das eher frustrierend. Ein 71-jähriger Braunschweiger bezeichnete die Situation sogar als „katastrophal“ und vermisst eine ordentliche Auswahl an Geschäften.
Doch nicht nur die älteren Generationen sind betroffen. Eine 22-jährige Bewohnerin äußert, dass viele Läden nur kurz bestehen und sie sehnlichst neue Trends in der Stadt vermisst. Der 21-jährige Braunschweiger sieht die Leerstände als individuelles Problem und wünscht sich mehr kulturelle Angebote und Modeläden. Und dann gibt es da noch den 73-jährigen Neu-Braunschweiger, der sich mehr für die Architektur als für die Geschäfte interessiert. Irgendwie zeigt das, wie vielfältig die Meinungen über das Stadtbild sind und wie unterschiedlich die Menschen die Situation wahrnehmen.
Maßnahmen der Stadt
Die Stadt Braunschweig hat die Herausforderungen erkannt und plant Maßnahmen, um dem Strukturwandel entgegenzuwirken. Grundlage ist der bereits 2020 initiierte Innenstadtdialog, der die Berichterstattung und Diskussion über Veränderungsprozesse in der Innenstadt ins Leben rief. Es geht nicht nur um die Schließungen, sondern auch um die Veränderungen im Erscheinungsbild der Innenstadt, die durch die Coronapandemie sichtbar wurden. Immer wieder sieht man die leerstehenden Flächen, die an die Geschäftsaufgaben erinnern.
Die Stadt möchte die Angebotsvielfalt steigern und hat dafür Investitionspakete sowie Förderprogramme auf den Weg gebracht. Unter dem Motto „Es gibt immer einen Weg“ werden neue Nutzungskonzepte, einschließlich Zwischennutzungen, immer wichtiger. Veranstaltungen und gastronomische Angebote sollen die Innenstadt beleben und für mehr Anziehung sorgen. Das Kulturinstitut der Stadt Braunschweig und die Braunschweig Zukunft GmbH haben sich zum Ziel gesetzt, diese Dynamik aktiv zu begleiten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zunahme der Nachvermietung in der Innenstadt gibt Hoffnung, dass es nicht nur bei Leerständen bleibt. Vielleicht wird aus dem Grau der „Gähnenden“ bald ein lebendiger Ort, an dem man gerne verweilt. Der Dialog über die Innenstadt ist jedenfalls in vollem Gange und es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Stadt weiter entwickelt. Einige Bürger sind skeptisch, andere optimistisch – aber eines steht fest: Die Braunschweiger Innenstadt hat viel Potenzial, das es zu entdecken gilt.