Die Braunschweiger Innenstadt hat in den letzten Jahren mit einer wachsenden Zahl von Leerständen zu kämpfen. Rund 100 dieser ungenutzten Ladenflächen wurden um den Jahreswechsel 2025/26 allein innerhalb der Okerumflut registriert. Das ist schon eine Hausnummer! Während im vergangenen Jahr mehr als 45 neue Cafés, Restaurants und Geschäfte eröffneten, mussten gleichzeitig 44 neue Leerstände verzeichnet werden. Die Bürger haben das Gefühl, dass die Schließungen präsenter sind als die Neueröffnungen. Ein 71-jähriger Braunschweiger beschreibt die Situation als „katastrophal“. Er vermisst die Vielfalt an Geschäften, die einst die Innenstadt prägte. Und auch die 22-jährige Bewohnerin, die um die Ecke wohnt, hat das Gefühl, dass viele Läden nur kurze Zeit bestehen und vermisst frische Trends in der Stadt.
Ein 73-jähriger Neu-Braunschweiger zeigt sich weniger an den Geschäften, sondern mehr an der schönen Architektur interessiert. Der 21-jährige Lokalpatriot hingegen sieht die Leerstände als individuelles Problem. „Warum gibt es nicht mehr kulturelle Angebote und Modeläden?“ fragt er sich und viele andere dürften ihm zustimmen. Die Stadt Braunschweig ist sich der Problematik bewusst und hat bereits Maßnahmen gegen den Strukturwandel angekündigt. Der seit Ende 2020 initiierte Innenstadtdialog soll als Grundlage für eine neue Innenstadtstrategie dienen, die darauf abzielt, die Innenstadt zu stärken und wiederzubeleben.
Neue Perspektiven für die Innenstadt
Die Corona-Pandemie hat den Einzelhandel besonders hart getroffen und zu einer spürbaren Zunahme der Leerstände geführt. Ein trauriges Bild, das viele Städte in Deutschland teilen. Die Zunahme der Nachvermietungen und neue Nutzungskonzepte, wie etwa Zwischennutzungen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Ziel? Eine Steigerung der Angebotsvielfalt in der Innenstadt! Das Kulturinstitut der Stadt Braunschweig und die Braunschweig Zukunft GmbH haben sich vorgenommen, diesen Wandel aktiv zu begleiten. Veranstaltungen und gastronomische Angebote sollen helfen, die Innenstadt wieder lebendig zu machen.
Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Die Zukunftsfähigkeit und die wirtschaftliche Basis der innerstädtischen Nutzungen steht auf dem Prüfstand. In einem Spannungsfeld zwischen Potenzialen für Nachnutzungen und drohenden Umsatzverlusten müssen innovative Lösungen her. Die ExWoSt-Studie hat dazu empirische Ergebnisse zusammengefasst und bietet Handlungsempfehlungen für die Innenstadt- und Zentrenentwicklung. Darin werden drei strategische Aufgaben und fünf konkrete Aufgabenfelder vorgestellt. Kommunen, wie Braunschweig, stehen dabei als zentrale Akteure im Fokus, unterstützt durch wissenschaftliche Begleitung.
Die Braunschweiger Innenstadt hat also noch viel Potenzial – es bleibt spannend, welche neuen Wege eingeschlagen werden, um die Stadt wieder zum Blühen zu bringen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und vielleicht wird der nächste Besuch in der Innenstadt ja schon bald wieder zu einem echten Erlebnis!