Ein Vorfall, der für viele ein Schock war, ereignete sich am Pfingstmontag am Badesee Tannenhausen bei Aurich. Ein vierjähriger Junge fiel gegen 19 Uhr ins Wasser, während er unvorsichtig über einen Steg für Tretboote lief. Der Unfall geschah außerhalb des Sichtfelds des Überwachungsturms, verborgen hinter einem Hügel. Das Wasser – so einladend und kühl an heißen Tagen – wurde für den kleinen Abenteurer zur Falle. Glücklicherweise waren DLRG-Rettungsschwimmer und eine Ersthelferin zur Stelle und konnten das Kind erfolgreich wiederbeleben. Ein echter Glücksfall! Anschließend wurde der Junge in eine Klinik geflogen, wo er die nötige medizinische Versorgung erhielt.
Michael Rieken, der stellvertretende Vorsitzende der Auricher DLRG-Ortsgruppe, sieht trotz des Vorfalls keinen akuten Handlungsbedarf für die Badeaufsicht. Die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer waren an diesem Tag länger als vorgeschrieben vor Ort, was bei dem großen Andrang an Badegästen auch nötig war. Die Aufsicht ist, je nach Wetterlage, nicht immer rund um die Uhr gegeben, doch die DLRG hatte sich entschieden, eine Stunde länger zu bleiben. Rieken betont, dass Eltern und Begleitpersonen die Hauptverantwortung für ihre Kinder tragen. In Anbetracht der Herausforderungen bei der Überwachung an heißen Tagen mit vielen Besuchern ist dies besonders wichtig.
Die Verantwortung der Badegäste
Es ist nicht zu leugnen, dass die Aufsicht der Rettungsschwimmer für die mit Leinen markierten Badebereiche zuständig ist. Wer darüber hinaus schwimmen möchte, tut dies auf eigenes Risiko. Das ist wie ein Sprung ins kalte Wasser – man muss sich der eigenen Fähigkeiten bewusst sein! Besonders in Zeiten, in denen viele geflüchtete Menschen neu in Deutschland sind, sieht Rieken einen Bedarf für mehrsprachige Hinweisschilder. Das Wasser hat seine eigene Sprache, und nicht jeder versteht die Gefahren, die darin lauern.
Die Situation wird in der DLRG auch durch eine steigende Reizbarkeit zwischen Schwimmern und Aufsichtspersonal an heißen Tagen komplizierter. Wenn die Temperaturen in die Höhe schnellen und die Badelust steigt, kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Das ist nicht nur für die Aufsichtskräfte herausfordernd, sondern auch für die Badegäste. Schließlich möchte jeder einfach nur entspannen und die Sonne genießen.
Eine besorgniserregende Statistik
<pUm die Dramatik und Wichtigkeit von Schwimmsicherheit zu verdeutlichen, werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Im Jahr 2022 ertranken in Deutschland mindestens 393 Menschen – das sind 18 Todesfälle weniger als im Jahr zuvor. Man könnte meinen, dass es zu wenig ist, um einen Unterschied zu machen. Tatsächlich ereigneten sich die meisten Badeunfälle im Juni. An einem einzigen Wochenende in diesem Monat ertranken 15 Menschen beim Baden und Schwimmen. Ute Vogt, die Präsidentin der DLRG, warnte schon, dass bei weiterhin sonnigem und heißem Wetter in der Hauptferienzeit mit einem Anstieg der Opferzahlen zu rechnen gewesen wäre. Das lässt einen schon nachdenklich werden.
Der Unfall am Badesee Tannenhausen hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich der Risiken bewusst zu sein und Verantwortung zu übernehmen – sowohl als Elternteil als auch als Badegast. Der Spaß und die Erholung am Wasser sind unbestritten, doch ein wenig Achtsamkeit kann Leben retten. Es ist wie beim Schwimmen: Man muss wissen, wo man seine Grenzen setzt und wann man besser nicht ins tiefere Wasser geht.