Inmitten der idyllischen Landschaft Norddeutschlands, wo die Felder weit und die Horizonte offen sind, hat sich eine eher kurvenreiche Geschichte um die Nandus entwickelt. Diese straußenähnlichen Vögel, die eigentlich aus den Pampas und Ebenen Südamerikas stammen, sind hierzulande zu einer kleinen Sensation geworden. Vor rund 20 Jahren, zwischen 1999 und 2001, brachen einige Nandus aus einem Gehege in Groß Grönau, Schleswig-Holstein, aus und begannen, sich in der Freiheit ungestört zu vermehren. Nun finden sich die einzigen wildlebenden Nandus in Europa in dieser Region! Komischerweise haben die Nandus hier keine natürlichen Feinde, was ihnen erlaubt, sich wie die sprichwörtliche Made im Speck zu fühlen.

Doch so friedlich das Bild auch erscheinen mag, die Nandus sind nicht nur gefiederte Touristenmagnete, sondern auch ein echtes Problem für die Landwirtschaft. Die Landwirte klagen über Ernteverluste durch die großen Vögel, die mit einer Höhe von bis zu 1,40 Metern und einem Gewicht von bis zu 35 Kilo nicht gerade klein sind. Sie fressen Raps, Rüben und Mais – und das täglich etwa 1,5 Kilogramm Pflanzenkost! Verständlicherweise führt das zu einem gewissen Unmut bei den Bauern, die sich über die frechen Viecher ärgern. Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern hat aus diesem Grund Nandus ins Jagdrecht überführt, was zu ihrer Bejagung führt. So mancher Landwirt wird sich freuen, wenn er den einen oder anderen Nandu auf dem Teller hat.

Ein Rückgang der Nandu-Population

<pIn dieser Region rund um den Ratzeburger See zeigt sich allerdings ein besorgniserregender Trend: Die Nandu-Population schrumpft. Bei den Zählungen im Frühjahr und Herbst werden immer weniger dieser Vögel gesichtet. Die Agrarministerium meldete im Frühjahr 2024 nur noch 70 Exemplare – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 362 Nandus, die man noch vor fünf Jahren zählte. Die Gründe für diesen Rückgang sind unklar, aber es könnte ein Zusammenspiel von Jagd, Lebensraumveränderungen und vielleicht sogar den klimatischen Bedingungen sein. Schließlich sind Nandus zwar anpassungsfähig, benötigen aber auch die passende Umgebung, um gedeihen zu können.

In ihrer Heimat gelten die Nandus als „gering gefährdet“, während sie hierzulande unter strengem Schutz stehen – mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt, wie unterschiedlich die Sicht auf diese Tiere sein kann. Wo sie in Südamerika von der lokalen Bevölkerung als Nahrungsquelle geschätzt werden, sind sie hierzulande eher eine kurvenreiche Herausforderung für die heimische Flora und Fauna. Man fragt sich, wie das alles weitergeht. Der Biologe, der die Nandus untersucht, hat sicher noch einige spannende Erkenntnisse auf Lager, die uns mehr über den Einfluss dieser Tiere auf die Landwirtschaft und die Natur verraten können.

Invasive Arten und ihre Folgen

Doch was bedeutet das alles für das ökologische Gleichgewicht? Invasive Arten wie die Nandus verändern das Zusammenspiel der heimischen Arten und können erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursachen. Die Ausbreitung solcher Arten ist häufig das Resultat von menschlichem Handeln – Globalisierung, Tourismus und Klimawandel tragen dazu bei, dass Tiere wie die Nandus in neue Gebiete gelangen und sich dort etablieren. Schätzungen zufolge haben invasive Arten in der deutschen Landwirtschaft seit 1960 Schäden in Höhe von über 8 Milliarden Euro verursacht! Das ist eine gewaltige Summe, die vielleicht die eine oder andere Landwirtseele schwer zu schaffen macht.

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Ein weiteres Beispiel sind der Japankäfer und der Maiszünsler, die ebenfalls als invasive Arten auftreten und bei uns große Probleme verursachen. Die Nandus sind nur eine Facette in einem vielschichtigen Puzzle, das uns vor die Herausforderung stellt, wie wir mit diesen neuen „Nachbarn“ umgehen. Vielleicht ist es an der Zeit, einen neuen Weg zu finden, um die Balance zwischen Landwirtschaft und Natur zu wahren – und das, während wir uns auch noch über die frechen Viecher freuen können, die neugierige Touristen und Naturfotografen anlocken.