In Wolgast, einer kleinen Stadt an der malerischen Ostsee, tut sich etwas Unerwartetes. Die Europäische Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft (EMUG) aus Köln plant, ein ehemaliges Boxtrainingszentrum in ein „Islamisches Zentrum“ umzuwandeln. Wer hätte das gedacht? Das Gebäude gehört derzeit dem Boxpromoter Winfried Spiering aus Berlin, der das Trainingszentrum bis zum letzten Herbst betrieben hat. Aber wie es manchmal so ist, der Sport hat seine besten Tage hinter sich – Trainer waren Mangelware und das Interesse an der Nutzung des Zentrums ist verschwunden.
Spiering, der die Immobilie mit einem voll ausgestatteten Ring, einem Kraftbereich, Duschen und weiteren Annehmlichkeiten beschreibt, ist über das geringe Interesse an der Immobilie überrascht. Momentan hat sich nur die EMUG als Kaufinteressent gemeldet, und trotz der fortlaufenden Gespräche über den Verkauf drängt Spiering nicht auf einen schnellen Abschluss. Man fragt sich, was mit dem historischen Gebäude passiert, sollte es nicht verkauft werden. Ein „Islamisches Zentrum“ an diesem Standort? Spiering kann sich das nur schwer vorstellen.
Die Hintergründe
Auf einer ganz anderen Bühne, in Frankfurt, gibt es ähnliche Bestrebungen. Hier plant das Islamische Zentrum im Westen der Stadt den Bau eines neuen Gebäudes. Der Auftraggeber? Die Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG). Aktuell betreibt das Zentrum eine Moschee in einem alten 60er-Jahre-Bau und ist fleißig dabei, Geld zu sammeln, um das Nachbargrundstück für den Neubau zu erwerben. Ein Spendenaufruf auf Facebook vom 22. Februar 2022 zeugt von dem Engagement der Gemeinschaft.
Die DMG, vormals bekannt als Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD), ist die mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland. Laut dem Hessischen Verfassungsschutz hat die DMG bundesweit 1.450 Mitglieder, davon rund 300 in Hessen. Sie strebt eine Akzeptanz in der Gesellschaft an – und das durch soziales und religiöses Engagement. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Die Muslimbruderschaft gilt als Mutter aller islamistischen Bewegungen und verfolgt das Ziel, einen weltumspannenden Gottesstaat auf Grundlage von Koran und Sunna zu errichten. Eine Vision, die nicht jeder teilt.
Beobachtungen und Bedenken
Zurück nach Wolgast. Die EMUG wird von deutschen Verfassungsschutzbehörden als Tarn- oder Schwesterorganisation der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) eingestuft und steht unter Beobachtung. Das wirft Fragen auf, gerade in einer Zeit, in der Sensibilität und Aufklärung über solche Themen wichtiger denn je sind. Spiering selbst äußert, dass er sich an diesem Standort kein „Islamisches Zentrum“ vorstellen kann, während die Gespräche über den Verkauf weitergehen. Die Stadt hat also einen heißen Herbst vor sich, und die Gemüter könnten sich noch erhitzen.
Ob die Pläne der EMUG in Wolgast oder die der DMG in Frankfurt letztlich erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Diskussionen werden anhalten, und die Menschen werden weiterhin ihre Meinungen zu diesen Themen äußern. Ein Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, ist unumgänglich – und vielleicht auch notwendig, um einen Dialog zu fördern.