Heute, am 27.04.2026, hat der Hafen von Wismar eine ungewisse, aber gewaltige Herausforderung vor sich: Ein gestrandeter Wal, der seit dem 3. März immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist, soll geborgen werden. Der Lastkahn für die Bergung ist am Montagnachmittag im Hafen angekommen, und der Rettungsversuch ist für Dienstagmorgen angesetzt. Tierärztin Kirsten Tönnies beschreibt den Gesundheitszustand des Wals als besorgniserregend, betont jedoch, dass sich die Situation nicht verschlechtert hat. Dies ist ein kleiner Lichtblick inmitten der drängenden Herausforderungen, die vor dem Rettungsteam liegen.
DLRG-Einsatzleiter Oliver Bartelt hat angekündigt, dass sein Team am Mittwoch seine Arbeit beenden wird, bleibt jedoch beim Rettungsversuch am Dienstag vor Ort. Ein Gurt soll eingesetzt werden, um den Wal in die Barge zu ziehen. Dieser Gurt wird unter der Brust des Wals verlaufen und über die Flipper gelegt, was für das Tier eine erhebliche Belastung darstellen könnte. Das Umweltministerium hat bisher keine Unterlagen zum Gurteinsatz erhalten und betont, dass es sich um eine Duldung und nicht um eine Genehmigung handelt. Dies wirft Fragen auf, ob die geplanten Maßnahmen im besten Interesse des Tieres sind.
Der Stand der Dinge
Das Deutsche Meeresmuseum hat von einem Transport des Wals abgeraten und empfiehlt stattdessen eine palliative Versorgung. Der Transportkahn muss noch umgebaut werden; Schottwechsel und Sandauslegung sind notwendig, um den Wal in einer Art „Aquarium“ zu transportieren. Umweltminister Till Backhaus hat klargestellt, dass dieses neue Konzept vom Ministerium geduldet wird. Dennoch bleibt die Skepsis groß: Meeresbiologe Fabian Ritter äußert Bedenken bezüglich des Rettungsversuchs und warnt vor dem Stress, den der Wal während des Transportes erleben könnte.
Die Sandsäcke, die als Barriere um den Wal gesetzt wurden, sollen helfen, ihn in der Flachwasserzone zu halten. Zudem wurde eine Rinne von 110 Metern Länge vorbereitet, um den Wal in tiefere Gewässer zu führen. Das wissenschaftliche Gutachten, das eine maßgebliche Grundlage für die Bewertung durch das Land bildet, kommt zu dem Ergebnis, dass die Erfolgsaussichten einer Lebendrettung gering und die Risiken für das Tier erheblich sind. Dennoch hat der Wal länger überlebt als erwartet, was eine Neubewertung der Situation erforderlich machte.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Ein vollständig prüffähiges Konzept für den Bergungsversuch wurde erstmals vorgelegt und setzt auf einen minimalinvasiven Ansatz, der Maßnahmen zur Stabilisierung sowie veterinärmedizinische Begleitung umfasst. Das Vorhaben wurde rechtlich nach § 45 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz und § 1 Tierschutzgesetz geprüft. Es bleibt jedoch wichtig zu beachten, dass das Land die Maßnahme nicht genehmigen kann, sondern nur prüfen kann, ob sie untersagt werden muss. Eine Untersagung wäre nur möglich, wenn der Bergungsversuch dem Tier zusätzliches, nicht vertretbares Leiden zufügt, das in keinem Verhältnis zu einer möglichen Überlebenschance steht.
Inmitten dieser unsicheren Situation bleibt abzuwarten, wie sich der Rettungsversuch entwickeln wird. Während die Vorbereitungen voranschreiten, stehen die Menschen in Wismar und darüber hinaus in gespannter Erwartung dem bevorstehenden Ereignis gegenüber. Die kommenden Tage könnten entscheiden, ob Hoffnung oder Verzweiflung für den gestrandeten Wal in die Geschichte eingehen.