In der kleinen Küstenstadt Wismar, wo die Ostsee auf das Land trifft, wird zurzeit mit Hochdruck an einem außergewöhnlichen Rettungsversuch gearbeitet. Ein Buckelwal, seit mittlerweile 17 Tagen gestrandet, soll vor der Insel Poel per Luftkissen an die Nordsee gebracht werden. Die private Initiative, die diesen mutigen Schritt wagt, hat am Mittwoch die Genehmigung erhalten, trotz der zuvor skeptischen Stimmen aus der Politik. Die Vorbereitungen laufen und die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass am Sonntag die erste Anhebung des Wals erfolgen könnte.
Der Wal, von einigen liebevoll „Hope“ und von anderen „Timmy“ genannt, wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar gesichtet und hat seitdem eine dramatische Reise hinter sich. Er strandete mehrfach und blieb schließlich am 31. März in der Kirchsee vor Poel liegen. Die Zuschauer, darunter auch die Ostfriesin Astrid Drews, die extra angereist ist, um ihre Energie dem Wal zuzusenden, empfinden die Situation als eine Art „Schlachtbank“. Der Zugang wurde von der Polizei eingeschränkt, und viele Menschen verfolgen die Rettungsaktion gespannt hinter einem Absperrzaun.
Herausforderungen und Hoffnungen
Die Rettungsaktion hat jedoch mit einer Vielzahl von Herausforderungen zu kämpfen. Am Samstag wurde eine Pumpe in die Nähe des Wals gebracht, um ihn und die Rinne freizuspülen, während gleichzeitig die Untersuchung seines Mauls abgebrochen werden musste. Die Tierärztin Janine Bahr van Gemmert, die die Situation genau beobachtet, sieht dennoch eine reelle Chance für den Wal, der aktiv wirkt. Allerdings äußern Experten, darunter Biologe Fabian Ritter, geringe Hoffnungen auf eine erfolgreiche Rettung, da der Wal erst gerettet ist, wenn er im Nordatlantik schwimmt.
Umweltminister Till Backhaus hat den Rettungsversuch genehmigt, sieht aber auch die Notwendigkeit länderübergreifender Zusammenarbeit, um besser auf zukünftige Wal-Strandungen vorbereitet zu sein. Gleichzeitig gibt es Bedenken von Umweltschützern und Kritik an der Vorgehensweise, da einige Experten raten, den Wal nicht zu transportieren, da er sich in einem schlechten Zustand befindet. Greenpeace warnt vor den geringen Überlebenschancen und hebt hervor, dass der Wal durch Stress und Schwäche gefährdet ist.
Öffentliche Meinung und Unterstützung
Während die Helfer versuchen, dem Wal zu helfen, gibt es unter den Anwohnern auch kritische Stimmen. Einige beschreiben die vielen Zuschauer als „Demo-Touristen“ und sind genervt von dem Andrang. Dennoch haben sich auch Unterstützer gefunden: Zwei Millionäre finanzieren den Rettungsversuch, obwohl die genauen Kosten unklar sind und die Initiatoren diese nicht auf hundert Millionen schätzen. Susanne Somma mobilisiert in sozialen Medien für die Rettung des Wals und kritisiert die Behörden für ihre Untätigkeit.
Der Rettungsplan sieht vor, den Wal sanft mit Luftkissen anzuheben und auf einer Plane zwischen Pontons zu transportieren. Doch die Erfolgsaussichten bleiben fraglich. Wissenschaftliche Gutachten besagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Lebendbergung sehr gering ist und ein hohes Verletzungsrisiko besteht. Am Freitag wird die entscheidende Phase der Rettung erwartet, und die Vorbereitungen sind in vollem Gange, während die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rettung weiterlebt.