In Waren an der Müritz tut sich was! Am 13. Juni wird die erste queere Parade stattfinden, inspiriert vom legendären Christopher Street Day (CSD). Unter dem kreativen Schirm von Hannes Stöhr, dem Vorsitzenden des frisch gegründeten Vereins „Queer am See“, wird es ein buntes Spektakel geben, das die Sichtbarkeit und Sicherheit für queere Menschen in der Region fördern soll. Gemeinsam mit der Dragqueen Barbara „Babsi“ Lochowicz aus Neubrandenburg wird der Demonstrationszug durch die Stadt ziehen und ein Zeichen setzen.
Die Verantwortlichen rechnen mit etwa 600 Teilnehmern. Ein ambitioniertes Ziel, das nicht nur Freude, sondern auch ein bisschen Besorgnis mit sich bringt. Sicherheitskonzepte wurden in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Ordnungsamt entwickelt, und sogar Kontakt zur Kriminalpolizei wurde aufgenommen, um sicherzustellen, dass die Veranstaltung friedlich verläuft. Doch bereits im Vorfeld gab es Gegenwind: Barbara Lochowicz hat kritische Erfahrungen mit Polizeikontrollen und Vorurteilen gemacht, und es gibt sogar Drohungen gegen die Veranstaltung. Ein Mann auf Instagram hat offen seine Anfeindungen geäußert, was zeigt, wie viel Arbeit noch vor uns liegt.
Historische Wurzeln und aktuelle Herausforderungen
Die Pride-Saison beginnt im Juni, und die Paraden sind das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit. Diskriminierung und Verfolgung aufgrund von Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung haben in Deutschland eine lange und tragische Geschichte. Der erste Aktivist für Schwulenrechte, Karl Heinrich Ulrichs, der 1825 geboren wurde, forderte bereits 1867 die Straffreiheit gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen. Magnus Hirschfeld, ein weiterer Pionier, setzte sich für die Abschaffung des Paragrafen 175 ein, der Homosexualität im Kaiserreich kriminalisierte. Diese Gesetze führten zu massiver Diskriminierung, die bis in die Nachkriegszeit andauerte – der Paragraf 175 blieb bis 1994 in der BRD bestehen.
Die aktuellen Herausforderungen sind nicht weniger dramatisch. Ein Anstieg queerfeindlicher Straftaten in Deutschland, mit einer Rekordzahl von 1.785 Fällen im Jahr 2022, zeigt, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft zwar wächst, aber noch lange nicht ausreichend ist. Immer wieder gibt es Berichte über Übergriffe, besonders bei CSD-Events. Die Diskussion um den Schutz und die Rechte der LGBTQI-Community bleibt also brandaktuell.
Queer am See – mehr als nur eine Parade
Hannes Stöhr und sein Team haben klare Visionen für „Queer am See“. Neben der Parade sind auch Stammtische, Karaoke-Abende und Bildungsangebote geplant, die das Gemeinschaftsgefühl stärken sollen. Ein besonderes Projekt ist die Pflege von Stolpersteinen für queere NS-Opfer in Waren – eine wichtige Erinnerung an die Vergangenheit und ein Schritt in Richtung Anerkennung und Respekt für queere Menschen.
Deutschland hat, das ist unbestreitbar, Fortschritte beim Schutz und der Anerkennung von LGBTQ-Personen gemacht. Die Einführung der Ehe für alle im Jahr 2017 und das Selbstbestimmungsgesetz, das im Jahr 2024 in Kraft tritt, sind entscheidende Schritte in die richtige Richtung. Dennoch bleibt die Herausforderung, die gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern und auf die anhaltende Diskriminierung aufmerksam zu machen. Über 40 % der queeren Menschen in Deutschland berichten von Diskriminierung – ein alarmierendes Zeichen, das uns alle angeht.
Am 13. Juni wird die queere Parade in Waren an der Müritz nicht nur ein Fest der Farben und der Lebensfreude sein, sondern auch ein kraftvolles Statement gegen Vorurteile und Diskriminierung. Es wird Zeit, dass wir alle gemeinsam aufstehen und für die Rechte der LGBTQI-Gemeinschaft kämpfen – denn die Vergangenheit lehrt uns, dass wir niemals nachlassen dürfen.