In Stralsund tut sich einiges: Die Stadt steht vor großen Herausforderungen im maritimen Gewerbepark, der mit einer zusätzlichen Finanzspritze von 914.000 Euro unterstützt werden soll. Diese Entscheidung fiel nicht ohne Grund, denn die Bürgervertretung erhofft sich von dieser Investition eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, die durch die Kündigung der Reparaturwerft Strela Shiprepair und die damit verbundenen Entlassungen erheblich belastet wurde. Die Stadt hat bereits 350.000 Euro für die Reinigung einer bleikontaminierten Halle ausgegeben, und die Werkfeuerwehr wird ab dem 1. Mai nicht mehr auf der Volkswerft tätig sein, was 50 Feuerwehrleute direkt betrifft.

Ein Lichtblick in dieser Situation ist die Firma PioneerYachts, die auf dem Gelände der ehemaligen Volkswerft einen über 18 Meter langen Katamaran mit solar-elektrischem Antrieb baut. CEO Mike Frank lobt die Unterstützung der Stadt und die hervorragende Infrastruktur, die dem Unternehmen helfen, seine Pläne voranzutreiben. Die Zielgruppe von PioneerYachts sind Käufer von nachhaltigen und luxuriösen Wasserfahrzeugen, die bereit sind, im siebenstelligen Bereich zu investieren. Um den Personalbedarf zu decken, plant das Unternehmen, die Mitarbeiterzahl von 20 auf 70 zu erhöhen und denkt sogar über den Bau einer eigenen Produktionshalle nach.

Die Geschichte der Volkswerft

Die Volkswerft Stralsund hat eine bewegte Geschichte, die bis ins Jahr 1941 zurückreicht, als die Kröger-Werft gegründet wurde. Während des Zweiten Weltkriegs stellte die Werft Rüstungsprodukte her, und die ersten Schiffsreparaturen fanden nach dem Krieg im Mai 1946 statt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Volkswerft zu einem der größten Exportbetriebe der DDR, der zahlreiche Schiffe für die sowjetische Marine baute. In den 1950er Jahren waren über 4.420 Mitarbeiter dort beschäftigt, und die Werft war ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft.

Die Entwicklung der Volkswerft nahm jedoch einen dramatischen Wandel, als die politischen Umstände nach der Wende 1990 den Absatzmarkt einbrechen ließen. Nach mehreren Insolvenzen und Neustrukturierungen wurde die Volkswerft 2014 von Nordic Yards übernommen. Die Schicksalswende kam jedoch mit der Gründung von MV Werften, die 2016 von Genting Hong Kong ins Leben gerufen wurden. Trotz der Herausforderungen, die die Werft in den letzten Jahren durchlebt hat, finden sich heute etwa 20 Unternehmen auf dem Gelände der Volkswerft, die zusammen rund 400 bis 500 Mitarbeiter beschäftigen.

Ein Blick in die Zukunft

Um den Stralsunder Gewerbepark und die Volkswerft weiter zu beleben, findet am 4. Mai ein Tag der offenen Tür statt, zu dem rund 5.000 Besucher erwartet werden. Bei dieser Veranstaltung können Interessierte das Werftgelände erkunden, die beeindruckenden Schiffsmodelle bewundern und sich über die verschiedenen ansässigen Unternehmen informieren. Ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm sowie eine Genussmeile sorgen für Unterhaltung und kulinarische Genüsse während des Events. Die Stadt Stralsund zeigt damit, dass sie die maritime Tradition und die wirtschaftliche Zukunft der Region aktiv fördern möchte.

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Insgesamt ist der Wandel der Volkswerft ein Spiegelbild der Veränderungen in der Industrie und der Gesellschaft in Stralsund. Von den Anfängen in den 1940er Jahren bis zu den modernen Herausforderungen und Chancen steht die Volkswerft nach wie vor im Zentrum der maritimen Wirtschaft und der Gemeinschaft. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation weiter entwickelt und ob die Investitionen der Stadt Früchte tragen werden.