Die Nachrichten über den Buckelwal „Timmy“ haben in den letzten Tagen für ordentlich Wirbel gesorgt, nicht nur unter den Meeresliebhabern, sondern auch in der politischen Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Am Dienstag erklärte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund den Wal für tot. Doch Umweltminister Till Backhaus von der SPD sieht das anders. Er spricht von „Spekulation“ und fordert handfeste Beweise für den Tod des Wals. Der Konflikt um die Einschätzung Timmy’s Gesundheitszustand könnte durchaus politische Wellen schlagen, denn sollte sich herausstellen, dass der Wal wirklich tot ist, wird die Diskussion über Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten neu entfacht.
Es ist ein bisschen wie ein Krimi, der sich da abspielt. Der Tracker, der an Timmy angebracht wurde, sendet zwar noch sporadisch Signale, aber eine präzise GPS-Ortung bleibt aus. Karin Walter-Mommert, die Sponsorin der Rettungsaktion, sieht in den Signalen ein positives Zeichen, da der Sender nur an der Wasseroberfläche senden kann. Das klingt ja erst mal beruhigend. Doch Fachleute sind skeptisch: Sie weisen darauf hin, dass der Sender auch bei einem toten Wal an der Oberfläche Daten übermitteln könnte. Was ist hier los? Hat sich der Tracker vielleicht sogar gelöst und treibt jetzt irgendwo im Meer umher?
Der Wille zu leben
Backhaus, der den Wal elf Mal besucht hat, ist fest davon überzeugt, dass Timmy Lebenswillen gezeigt hat. „Ich lehne es ab, gestrandete Wale einfach jammernd verenden zu lassen“, sagt er. Verantwortungsbewusst, möchte man meinen. Doch die Tierärztin Kerstin Alexandra Dörnath sieht das anders und kritisiert die gesamte Rettungsaktion als bloßen Aktionismus. Spätestens hier wird klar, dass die Meinungen über den richtigen Umgang mit Walen, die in Not geraten sind, weit auseinandergehen.
Der Zustand des Wals bleibt unklar. Forscher äußern Bedenken wegen möglicher innerer Verletzungen durch den Transport, trotz der nur „leichten Schürfwunden“ am Maul. Kollisionen mit Bordwänden des Transportboots könnten ihm schwer zugesetzt haben. Und die Frage, ob Timmy vielleicht schon am Meeresboden der Nordsee zerfällt oder doch noch lebt und einen Kurs auf die Arktis nimmt, bleibt unbeantwortet.
Konflikte um Meeresschutz
Inmitten dieser ganzen Aufregung wird auch die Diskussion über Meeresschutz neu entfacht. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt spricht die Probleme klar an: verschmutzte Meere, Beifang und der schlechte Zustand vieler Meeressäuger sind drängende Themen. Auf der Umweltministerkonferenz in Leipzig sollen diese Themen besprochen werden, und Backhaus fordert mehr Transparenz, insbesondere in Bezug auf die Tracker-Daten. „Der Wal lebt“, so betont er, „basierend auf den Tracker-Daten.“ Doch der Zugang zu diesen Daten bleibt dem Umweltministerium verwehrt.
Ein Runder Tisch zu Walstrandungen wird von Mecklenburg-Vorpommern geplant. Das Ziel? Mehr Schutz für die Tiere und weniger Beifang. Das ist dringend notwendig, denn der Rückgang der Schweinswalpopulation in der Ostsee ist alarmierend. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Diskussionen und die verschiedenen Meinungen nicht den Fokus auf das Wesentliche verlieren: den Schutz und das Wohl der Tiere in unseren Meeren.