Am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum der Landeshauptstadt Schwerin, dem GeSo, war es kürzlich ein ganz besonderer Tag. Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege, der jedes Jahr am 12. Mai gefeiert wird – ja, genau an dem Datum, das an den Geburtstag von Florence Nightingale erinnert, der Pionierin der modernen Krankenpflege – fand ein beeindruckender Projekttag statt. Der Tag hatte nicht nur das Ziel, die Leistungen der Pflege sichtbar zu machen, sondern auch, die Herzen der Menschen für dieses wichtige Thema zu öffnen. Und das gelang auf ganz wunderbare Weise!
Die Schüler und Schülerinnen des GeSo waren ganz in ihrem Element. Sie gestalteten unterschiedliche Projekte: Ein Klassenraum wurde festlich dekoriert, ein Grillfest vorbereitet, und – ganz kreativ – sogar eine eigene Zeitung entstand. Besonders beeindruckend war die Gruppe, die in der Schweriner Innenstadt Interviews führte. Nach einer Einführung in die Kunst des Filmens und der Tonaufnahme durch Michel Krüger von der Medienanstalt MV begaben sich die jungen Leute auf die Straßen, um Passanten nach ihren Erfahrungen mit Pflege zu fragen.
Die Stimme der Pflege
Die Reaktionen waren durchweg positiv. Viele Passanten äußerten sich begeistert über die Bedeutung der Pflege – eine ältere Frau fasste es treffend zusammen: „Der Pflegeberuf ist sehr wichtig für unser ganzes Leben.“ Da steht man dann da, hört solche Worte und kann nur nicken. Zwei junge Frauen, die gerade eine Ausbildung zur Pflegefachkraft machen, strahlten vor Begeisterung – die Zukunft der Pflege scheint in guten Händen! Eine ältere Dame erzählte stolz von ihrem Enkel, der ebenfalls in der Pflege lernt. Welch schöner Kreis, der sich hier schließt!
Doch der Projekttag war mehr als nur eine Feier. Er zeigte auf, wie nah das Thema Pflege jeden Menschen betrifft – sei es in der Familie oder im Freundeskreis. In einer anderen Gruppe sprachen die Schüler mit Mitarbeitenden einer Pflegeeinrichtung und bekamen einen Einblick in den Alltag, der oft von Herausforderung und Hingabe geprägt ist. Es ist, als würde man einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Menschlichkeit spüren, die in diesem Beruf steckt.
Ein globales Anliegen
Der Internationale Tag der Pflege ist nicht nur ein Anlass für lokale Feiern, sondern auch ein globales Zeichen. Weltweit sind rund 28 Millionen Menschen in Pflegeberufen tätig, und der Aktionstag wurde 1965 vom International Council of Nurses (ICN) ins Leben gerufen. In Deutschland stehen die Pflegekräfte unter dem Motto „Nurses: A Voice to Lead – Eine Vision für die zukünftige Gesundheitsversorgung“ im Fokus. Veränderungen und Innovationen in der Pflege sind dringend notwendig, schließlich haben die letzten Jahre – insbesondere die Corona-Pandemie – die Situation der Pflegekräfte in den Vordergrund gerückt. Es ist bedrückend zu lesen, dass zwischen April und Juli 2020 die Zahl der Pflegekräfte um etwa 9.000 sank. Viele haben gekündigt, unter dem Druck und dem erhöhten Ansteckungsrisiko. Einmalig wurde ein Bonus von 1.500 Euro für Altenpflegekräfte beschlossen, die 2020 arbeiteten, doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
In Deutschland sind über 1,7 Millionen Menschen in der Alten- und Krankenpflege beschäftigt. Dennoch klagen Kliniken und Pflegeeinrichtungen über einen gravierenden Fachkräftemangel. Aktuell fehlen über 100.000 Vollzeitstellen! Die demografische Entwicklung zeigt, dass der Pflegebedarf weiter steigen wird. Schon jetzt sind 8 % der 70- bis 74-Jährigen und über 75 % der über 90-Jährigen pflegebedürftig. Viele Pflegebedürftige werden von Angehörigen versorgt, oft unterstützt von professionellen Kräften. Ein beeindruckendes Bild von Solidarität und Gemeinschaft.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zukunft der Pflege ist auch ein Thema, das die Bundesagentur für Arbeit beschäftigt. Sie fördert Weiterbildungen in der Pflege und unterstützt Arbeitgeber bei der Rekrutierung aus dem Ausland. Immer mehr Pflegekräfte kommen über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nach Deutschland. Besonders Pflegekräfte aus Ländern wie Bosnien-Herzegowina, den Philippinen oder Tunesien finden ihren Weg hierher. Das ist ein Zeichen für den globalen Charakter des Pflegeberufs und die Notwendigkeit, internationale Kooperationen zu fördern.
Der hohe Frauenanteil in der Pflegebranche – 83 % in der Altenpflege und 80 % in der Krankenpflege sind weiblich – zeigt, wie stark dieser Bereich von weiblicher Energie geprägt ist. Dennoch sind die Löhne oft niedrig, was als strukturelle Benachteiligung wahrgenommen wird. Durchschnittlich verdienen Pflegekräfte in der Altenpflege etwa 2.000 Euro brutto, während das Durchschnittsgehalt in Deutschland bei fast 4.000 Euro liegt. Ein Missverhältnis, das nicht ignoriert werden kann.
All diese Aspekte – die Herausforderungen, die Begeisterung, die Menschlichkeit – spiegeln sich in den Gesprächen und Projekten des Projekttags wider. Die Veranstaltung in Schwerin war nicht nur ein Tag der Feier, sondern auch ein Anstoß für viele, über die Bedeutung der Pflege nachzudenken. Es bleibt zu hoffen, dass solche Aktionen weiterhin stattfinden, denn die Pflege betrifft uns alle. Und vielleicht wird der nächste Internationale Tag der Pflege noch mehr Menschen auf die Straße bringen, um ihre Stimmen zu erheben.