Es war ein milder Abend im Brunnenhof der Schweriner Höfe, als am 5. Juni die Berliner Schauspiel-Ikone Katharina Thalbach die Bühne betrat. Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Anna und Enkelin Nellie, beide ebenfalls im Schauspielgeschäft tätig. Die drei Generationen Thalbach sorgten für eine besondere Atmosphäre, die nicht nur die über 500 Gäste in ihren Bann zog, sondern auch die charmante Verbindung von Familie und Kunst spürbar machte.
Die Lesung aus Fitzgerald Kusz‘ Buch „Witwendramen“ war ein eindrucksvoller Mix aus schwarzem Humor und Bühnenkunst. Ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht etwas düster erscheint, entpuppte sich schnell als überraschend heiter. Mit witzigen Fragen über die Eigenheiten von Männern und der Vorstellung prominenter Witwen – Yoko Ono, Alma Mahler-Werfel, Jacqueline Kennedy Onassis und Margot Honecker – schufen die Thalbachs eine wunderbare Mischung aus Ironie und Tragik. Wie oft hat man schon über den Tod gelacht? Hier war es möglich!
Die zentrale Frage der Lesung
Ein zentrales Element des Abends war die Frage: Was passiert, wenn der Mann, Vater oder Patron stirbt? Diese Frage wurde nicht nur auf literarische Weise behandelt, sondern auch mit heiteren, ironischen und teilweise traurigen Gedanken über Witwen. Die Szenen, die die Schauspielerinnen darboten, reichten von einer Wutrede der Witwe am Grab bis hin zu einer Frau, die ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes dessen Schrank nicht anrührt. Diese Darstellungen erzeugten eine besondere Nähe und ließen die Zuschauer schmunzeln und nachdenken zugleich.
Doreen Hopp, die Managerin der Schweriner Höfe, hatte die Lesung organisiert und dafür gesorgt, dass die Verbindung zu Anna Thalbach zustande kam. Der Kartenvorverkauf begann bereits am 1. April und die Tickets waren schnell vergriffen. Die Veranstaltung war in zwei Durchgängen geplant, um dem großen Andrang gerecht zu werden. Man kann sagen, dass die Vorfreude auf diesen Abend in der Luft lag!
Ein Abend voller Emotionen
Die Reaktionen des Publikums waren durchweg positiv. Die Mischung aus Humor und ernsten Themen fand Anklang, und es war ein Genuss zu sehen, wie die drei Thalbachs in ihren Rollen aufblühten. Sie schlüpften in die verschiedenen Facetten weiblicher Trauer und Stärke – und das war nicht nur beeindruckend, sondern auch zutiefst berührend. Es war, als ob sie nicht nur die Witwen darstellten, sondern auch deren Geschichten und Emotionen lebendig werden ließen.
In einem solchen Rahmen zu lesen, ist mehr als nur ein Auftritt. Es ist ein Dialog zwischen Künstlerinnen und Publikum, ein Austausch von Gefühlen und Gedanken. So wurde der Abend zu einer Feier des Lebens, des Humors und der Trauer – eine dreifache Hommage an die Frauen, die auf ihre eigene Weise mit Verlust umgehen.
Die Thalbachs haben einmal mehr bewiesen, dass sie mehr sind als nur Schauspielerinnen. Sie sind Erzählerinnen, die es verstehen, die Menschen zu fesseln und zum Nachdenken anzuregen. Und so bleibt dieser Abend im Brunnenhof als ein weiteres Kapitel in der Kulturgeschichte Schwerins verankert, das vielen sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.