Heute ist der 8.06.2026 und in Schwerin, in der MHalle des Staatstheaters, gibt es etwas ganz Besonderes zu erleben. Das Projekt „Imiona nurtu. Die Namen der Strömung“, unter der Regie von Kai Grehn, bringt die Stimmen der Lebenden und das Schweigen der Toten zusammen. Tadeusz Borowski, ein polnischer Schriftsteller und Überlebender von Auschwitz, hat uns mit seinen Worten ein Stück Geschichte hinterlassen. In seinen Erzählungen, insbesondere „Bei uns in Auschwitz“, beschreibt er den Alltag der Gefangenen und die Abgründe des Lebens in einem Konzentrationslager. Ein Zitat von ihm geht mir nicht aus dem Kopf: „Verlier nicht den Mut, wenn es Dir schlecht geht…“ Das ist mehr als nur ein Satz – es ist ein Leuchtfeuer der Hoffnung, das durch die Dunkelheit strahlt.
In diesem künstlerischen Projekt haben Teilnehmer aus ganz Europa die Namen von Ermordeten aus den Sterbebüchern von Auschwitz ausgewählt und eingesprochen. Diese Stimmen, zusammen mit Lagergedichten von Borowski und Geräuschaufnahmen aus ehemaligen Häftlingsbaracken, schaffen ein eindringliches Hörstück, das die Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten lebendig werden lässt. Mitglieder des Schweriner Schauspielensembles sind ebenfalls beteiligt und bringen ihre schauspielerische Kraft in die Aufführung ein. Man kann sich vorstellen, wie das Publikum in eine akustische Landschaft eintaucht, die sowohl berührt als auch zum Nachdenken anregt.
Ein einzigartiges Erlebnis
Die nächste Aufführung findet heute Abend um 19:30 Uhr statt, und die Vorfreude ist greifbar. Bereits zuvor wurde das Kunstprojekt an renommierten Orten wie dem Wiener Burgtheater und der Berliner Volksbühne aufgeführt. Es wird sogar als „Theater ohne Augen“ beschrieben, was bedeutet, dass die Wahrnehmung des Publikums auf eine ganz neue Art und Weise herausgefordert wird. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie das wohl sein wird – das Hören als primäre Sinneserfahrung, das Bild der Vergangenheit vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Und noch dazu wird das Projekt 2026 mit der hr2-Hörbuchbestenliste ausgezeichnet und erhält den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Damit wird die Wichtigkeit dieses Werkes unterstrichen.
Es wird auch eine Soundinstallation in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau geben, die die Bedeutung und Tragik der dort geschehenen Ereignisse unterstreicht. In einem anschließenden Gespräch mit Kai Grehn und Expert:innen wird das Publikum die Möglichkeit haben, tiefer in die Thematik einzutauchen. Moderiert von René Schlott, wird es eine Plattform für Fragen und Reflexion bieten – und wer weiß, vielleicht wird das Publikum dabei auch zum Teil der Geschichte.
Die technische Realisierung des Projekts wurde von einem kompetenten Team, darunter Martin Seelig und Iris König, begleitet. Dramaturgische Unterstützung erhielt Grehn von Juliane Schmidt, und die Regieassistenz übernahm Teresa Schomburg. Es ist bemerkenswert, wie viel Aufwand und Detailverliebtheit in dieses Werk geflossen ist, um den Geist von Borowskis Erzählungen gerecht zu werden. Die Sprecher, darunter Vincent Leittersdorf als Borowski und Patrycia Ziolkowska als Maria, bringen die Worte so eindringlich zum Leben, dass man sich fühlt, als sei man mitten im Geschehen.
Für alle, die heute Abend nicht dabei sein können – keine Sorge! Der Vorverkauf für weitere Veranstaltungen in der MHalle beginnt am ersten Kassenöffnungstag des Vormonats, und die Spieltermine werden monatlich bekannt gegeben. Auch in der Kulturmühle Parchim gibt es bald Aufführungen. Es lohnt sich, diesen außergewöhnlichen Teil der Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur nicht zu verpassen.