Am 13. Mai hat sich bei Karow in Mecklenburg-Vorpommern ein unerfreuliches Ereignis ereignet: Ein Güterzug ist entgleist. Das hat natürlich für ordentlich Wirbel gesorgt, und die Sprecherin der Odeg, Dietmute Graf, bestätigte die Störung. Reisende, die am 14. Mai mit der RB 19 zwischen Parchim und Plau am See unterwegs waren, mussten auf Busse umsteigen – das ist ja nie so schön, wenn man sich auf eine Zugfahrt freut. Ähnliches galt für die RB 15 von Waren nach Plau am See, wo die Passagiere in Alt Schwerin ebenfalls in Busse wechseln mussten. Diese Umstellungen werden voraussichtlich bis nächste Woche anhalten.

Jetzt könnte man meinen, dass die Aufregung um den Zugverkehr ein wenig die Aufmerksamkeit auf die lange geplante Reaktivierung der Südbahn lenkt. Diese Bahnverbindung, die einst von Schwerin bis nach Polen führte, war nach der Wiedervereinigung jahrzehntelang stillgelegt. Die Bürgerinitiative Südbahn kämpft seit 2012 um die Wiederbelebung, und 2019 entschied die Landesregierung, dass zwischen Parchim und Waren ein Saisonverkehr eingeführt werden soll. Zwischen Mai und September können Reisende nun wieder die Landschaft genießen, nur dass es gerade jetzt eine Störung gibt… Wie der Zufall so spielt!

Die Pläne für die Reaktivierung

Auf der anderen Seite wird hinter den Kulissen fleißig an der Machbarkeit für die Reaktivierung des Karower Kreuzes gearbeitet. Für 2024/2025 planen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine Machbarkeitsstudie. In der DDR war das Karower Kreuz ein bedeutender Knotenpunkt für den Eisenbahnverkehr – täglich verkehrten dort etwa 20 Personen- und 50 Güterzüge. Das Gutachten hat ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von über 1,0 ergeben. Verkehrsminister Detlef Tabbert aus Brandenburg hebt die hohe Bedeutung dieser Bahnverbindung für die Region hervor.

Insgesamt wurden zwei Varianten zur Ertüchtigung der Strecken untersucht: eine auf 160 km/h und eine auf 80 km/h. Die wirtschaftlichere Option ist die Ertüchtigung auf 80 km/h, die aber auf die Unterstützung des Bundes angewiesen ist. Um das Ganze voranzubringen, müssen die Landesregierungen einen Antrag auf Bundesmittel stellen. Das klingt irgendwie nach einer Bürokratie-Schlacht, die noch bevorsteht.

Die Bedeutung des Schienenverkehrs

Das Thema Schienenverkehr ist mehr denn je im Fokus, denn die Bundesregierung plant bis 2030 eine erhebliche Erweiterung des Schienenverkehrs. Ziel ist es, die Verkehrsleistung im Schienenpersonenverkehr zu verdoppeln und den Anteil des Schienengüterverkehrs auf 25% zu erhöhen. Reaktivierungen von stillgelegten Strecken sind dabei entscheidend. Eine Liste von 325 Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von über 5.426 km könnte dann wieder in Betrieb genommen werden, was 379 Städten und Gemeinden zugutekommen würde – und das sind immerhin 3,8 Millionen Menschen, die wieder an das Bahnnetz angeschlossen würden.

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Der Bahnverkehr könnte also tatsächlich aufblühen, während die Bürgerinitiative Südbahn und die vier Bürgermeister, die die Wichtigkeit der Reaktivierung betonen, auf ein Licht am Ende des Tunnels hoffen. Das alles klingt nach einem großen Puzzle, das nur darauf wartet, zusammengesetzt zu werden. Und während die Reisenden hoffen, dass der Saisonverkehr bald reibungslos funktioniert, bleibt zu wünschen, dass die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden und wir bald wieder unbeschwert durch die wunderschöne norddeutsche Landschaft düsen können.