In Parchim hat sich ein innovatives Projekt etabliert, das Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen neue Perspektiven eröffnet. Die Musterwohnung, die als Pilotprojekt im September 2025 ins Leben gerufen wurde, zeigt eindrucksvoll, wie Technik dabei helfen kann, die Selbstständigkeit von Betroffenen länger zu erhalten. Denn viele Menschen mit Demenz können nicht mehr allein zu Hause leben, da der Alltag unsicher wird. Hier kommen moderne Assistenzsysteme ins Spiel, die Sicherheit und Unterstützung bieten.

Ein Blick in die Musterwohnung verrät: Sicherheit steht an erster Stelle. Ein Bewegungssensor schaltet beispielsweise den Herd automatisch ab, wenn längere Zeit keine Bewegung registriert wird. Zusätzlich sorgt ein Luftfeuchtigkeitssensor dafür, dass die Dusche nicht zu lange läuft. Diese technischen Lösungen sind nicht nur für die Nutzer wichtig, sondern entlasten auch die Angehörigen. Inge Bernstein und ihr Partner Heinz Windolf, der seit 2023 mit Demenz lebt, sind auf der Suche nach solchen Hilfen, um ihren Alltag zu erleichtern. „Die Technik informiert uns, wenn etwas passiert. Das gibt uns ein Stückchen Sicherheit zurück“, so Bernstein.

Technische Unterstützung im Alltag

Die Musterwohnung ist mit weiteren hilfreichen Geräten ausgestattet. Bewegungsmelder erkennen, ob sich jemand im Raum aufhält, und fehlende Bewegung kann auf einen möglichen Sturz hinweisen. Ein Tablet erinnert an wichtige Termine und gibt Anweisungen, was mitzunehmen ist und wie der Weg aussieht. Auch ein GPS-Sensor kommt zum Einsatz, um Betroffene wiederzufinden, wenn sie die Orientierung verlieren. Die Resonanz auf das Projekt ist durchweg positiv: Seit der Eröffnung haben bereits 89 Besucher die Wohnung besichtigt, und die wöchentlichen Besichtigungen laufen bis Ende dieses Jahres weiter.

Das Projekt wird von der WOBAU Wohnungsbau GmbH Parchim, dem Netzwerk Demenz Parchim, dem ILWiA e.V. und dem Pflegestützpunkt Parchim unterstützt. Viele Menschen ziehen eine ambulante Pflege vor, da Pflegeheime oft überlastet sind. Technische Hilfsmittel wie die in der Musterwohnung verwendeten haben Hilfsmittelnummern und können über die Pflegekasse beantragt werden. Angehörige berichten von einem besseren Schlaf, da sie immer informiert sind, wenn etwas passiert.

Praktische Tipps für ein sicheres Zuhause

Zusätzlich zu den Hilfen in der Musterwohnung gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, das Zuhause sicherer zu gestalten. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen der Einbau eines Universalschlosses in der Eingangstür, das eine Öffnung von außen auch bei steckendem Schlüssel ermöglicht. Badezimmertüren sollten ebenfalls von außen zu öffnen sein, um im Notfall schnell helfen zu können. Eine ebenerdige Dusche erleichtert den Einstieg und verhindert Stürze.

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Auch beim Kochen kann Technik unterstützen: Kaffeemaschinen mit Zeitschaltuhren oder solche, die sich automatisch abschalten, sind praktische Helfer. Nachtlichter in häufig genutzten Räumen und entlang wichtiger Wege sorgen dafür, dass Betroffene sich auch bei Dunkelheit sicherer bewegen können. Medikamente sollten in spezielle Tablettenspender vorsortiert werden, die an die Einnahme erinnern. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, sollten Fenster in oberen Stockwerken gesichert werden, und nicht benutzte Steckdosen sollten abgedeckt werden.

Diese technischen und organisatorischen Maßnahmen können dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz länger in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Die Musterwohnung in Parchim ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie moderne Technik und durchdachte Konzepte den Alltag von Betroffenen und deren Angehörigen erleichtern können.