In der Ostsee, vor der malerischen Küste von Poel, steht der Buckelwal im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter hebt hervor, wie wichtig es ist, diese Gelegenheit zu nutzen, um grundlegende Fragen zum Meeresschutz zu thematisieren. Doch während wir auf das Schicksal dieses einzelnen Wals blicken, kritisiert Ritter, dass wir oft die Symptome bekämpfen, anstatt die Ursachen für das Leid der Wale zu adressieren. Stellnetze, die in Schutzgebieten der Ostsee ohne Einschränkungen aufgestellt werden können, stellen eine erhebliche Gefahr dar. Nicht nur der Buckelwal, sondern auch die heimischen Schweinswale geraten in diese Fallen und erleiden oftmals einen qualvollen Tod.

Burkard Baschek, Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, warnt eindringlich vor der kritischen Lage der Schweinswal-Populationen in der Region. Besonders besorgniserregend ist die zentrale Ostsee-Population, die nur noch etwa 500 Tiere zählt und akut vom Aussterben bedroht ist. Ohne gezielte Maßnahmen könnte diese Population bald aussterben. Hoffnung schöpfen die Naturschützer jedoch aus der Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf diese Problematik zu lenken und Unterstützung zu mobilisieren. Andreas Tanschus, ebenfalls Direktor der Stiftung, fordert dringend Schutzmaßnahmen wie Lärmschutz und Einschränkungen der Fischerei.

Die Gefahren der Fischerei

In der Ostsee verfangen sich insbesondere die Schweinswale in Fischereinetzen und sterben oft qualvoll. Jährlich verenden schätzungsweise 900 Schweinswale in der Beltsee zwischen Dänemark und Schweden. Die Stellnetzfischerei wird als größte Gefahr für Meeressäugetiere identifiziert. Diese Netze sind nicht nur weit verbreitet, sondern stehen auch häufig in Küstennähe, was die Gefahr für die Tiere erhöht. Während Buckelwale eine höhere Überlebenschance haben, da sie an die Oberfläche schwimmen können, nutzen Schweinswale ihre Echo-Lokation nicht effektiv, um Netze zu erkennen, die oft zu dünn sind.

Das Problem wird durch die Tatsache verstärkt, dass Fischer verpflichtet sind, Beifang zu melden, dies jedoch oft nicht tun, aus Angst vor strengen Auflagen. Laut dem Bundesamt für Naturschutz wird jeder zweite Totfund von Schweinswalen auf Beifang zurückgeführt. Im Jahr 2025 wurde nur ein toter Schweinswal gemeldet, während zwischen 2016 und 2024 im Durchschnitt 60 tote Schweinswale pro Jahr registriert wurden. Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen, wie dringend Handlungsbedarf besteht.

Schutzgebiete und ihre Herausforderungen

Obwohl Schweinswale in ihren Lebensräumen durch Schutzgebiete geschützt sind, sind die Maßnahmen oft unzureichend und werden als „Paper Parks“ bezeichnet, die in der Praxis wenig Schutz bieten. In diesen Gebieten sind bestimmte Fischereipraktiken, wie Grundschleppnetze, erlaubt, die den Meeresboden schädigen. Stellnetze, in denen sich Schweinswale verfangen können, sind ebenfalls in vielen Schutzgebieten zulässig. Es mangelt an ausreichender Überwachung und Kontrolle, um illegale Aktivitäten zu verhindern. Wirtschaftliche Interessen stehen oft im Widerspruch zu den Zielen des Naturschutzes, und Fischer:innen befürchten, dass Fangverbote ihre Existenzgrundlage bedrohen.

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Die Situation wird zusätzlich durch den Bau und Betrieb von Offshore-Windparks kompliziert, die die Lebensräume der Schweinswale beeinträchtigen können. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist wichtig zur Reduzierung von CO₂-Emissionen, darf jedoch nicht auf Kosten der Meeresbewohner geschehen. Die Whale and Dolphin Conservation (WDC) fordert daher, dass der Windkraft-Ausbau naturverträglich erfolgt und Meeresschutzgebiete für den Bau ausgenommen werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die Stimmen der Naturschützer Gehör finden und die nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um das Überleben der bedrohten Wale in der Ostsee zu sichern. Die Zeit drängt, und das Leid vieler Wale darf nicht ignoriert werden.