Der Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat am Landgericht Rostock begonnen. Rund 80 Zuschauer waren zum Auftakt der Verhandlung erschienen, und das öffentliche Interesse ist enorm. Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen eine 30-jährige Frau, die einst eine Freundin von Fabians Vater war, den Vorwurf des Mordes. Laut Anklage soll die Angeklagte Fabian am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand abgeholt und ihn anschließend heimtückisch getötet haben.
Fabians Mutter, Dorina, ist als Nebenklägerin anwesend und wird von der Anwältin Christine Habetha vertreten. Die Angeklagte hat sich seit ihrer Festnahme Ende 2025 nicht zu den Vorwürfen geäußert und plant, auch im Verlauf des Prozesses zu schweigen. Die Ermittler stehen vor einer gewaltigen Herausforderung, da keine Tatwaffe gefunden wurde und das Verfahren sich voraussichtlich zu einem aufwendigen Indizienprozess entwickeln könnte.
Details zum Verbrechen
Die grausamen Umstände des Falls sind erschütternd. Fabian wurde am 10. Oktober als vermisst gemeldet, nachdem er wegen Unwohlseins zu Hause geblieben war. Umfangreiche Suchaktionen, bei denen Spürhunde, Boote und Hubschrauber zum Einsatz kamen, liefen an. Tragischerweise wurde die verbrannte Leiche des Jungen vier Tage später, am 14. Oktober, an einem Wasserloch nahe Klein Upahl entdeckt. Die Obduktion bestätigte, dass Fabian mit sechs Messerstichen ermordet wurde und sein Leichnam anschließend mit Brandbeschleuniger angezündet worden war.
Die Ermittler verfolgten rund 1.000 Spuren, und nach dem Fund der Leiche wurde eine Mordkommission eingerichtet. Der Todeszeitpunkt liegt zwischen 11.00 und 15.00 Uhr am Tag seines Verschwindens. Es wird vermutet, dass die Tat in der Nähe des Wohnorts der Angeklagten und von Fabians Vater stattfand. Trotz der intensiven Ermittlungen und der öffentlichen Aufmerksamkeit konnte die Angeklagte nicht aus der Untersuchungshaft entlassen werden; ihr Anwalt hatte auf die fehlenden „handfesten Beweise“ und die nicht gefundene Tatwaffe verwiesen.
Ein langwieriger Prozess
Insgesamt sind 17 Verhandlungstage bis zum 2. Juli 2026 terminiert, mit etwa 60 geladenen Zeugen. Am ersten Prozesstag wurde die Anklage verlesen, jedoch keine Zeugen gehört. Die Verteidiger der Angeklagten könnten ein Eingangsstatement abgeben. Die Polizei hat das Umfeld des Landgerichts mit mehreren Beamten und Streifenwagen überwacht, um die Sicherheit während des Verfahrens zu gewährleisten.
Der Fall hat in Deutschland eine breite Diskussion ausgelöst, insbesondere da die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) im Jahr 2024 insgesamt 222 vollendete Morde erfasste, was eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Die PKS zeigt, dass Tötungen aus niedrigen Beweggründen, wie sie im Fall Fabian vorgeworfen werden, eine ernste Problematik darstellen. Der Fall von Fabian erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Hintergründe und Motive solcher Taten zu ergründen und Gerechtigkeit für die Opfer zu suchen.
In den kommenden Verhandlungstagen wird sich zeigen, welche Beweise und Indizien die Staatsanwaltschaft vorbringen kann, um die Vorwürfe zu untermauern. Das Landgericht Rostock wird somit zu einem Schauplatz für die Suche nach der Wahrheit in einem der tragischsten Fälle der letzten Jahre.