In Schwerin, der charmanten Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, hat am 8. Mai die Uraufführung eines umstrittenen Dokumentarfilms über Egon Krenz stattgefunden. Der Film trägt den Titel „Kommunist“ und wurde im Rahmen des Filmkunstfestes präsentiert. Die Reaktionen auf die Premiere sind alles andere als einhellig. Burkhard Bley, der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, hat den Film scharf kritisiert und bezeichnet ihn als „misslungen“. Er wirft den Machern vor, ein Bild von der DDR zu vermitteln, das geschönt und historisch fragwürdig ist.

Der Film, der vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mitproduziert und mit insgesamt 130.000 Euro von verschiedenen Filmförderungen unterstützt wurde, steht im Zentrum einer heftigen Debatte. Kritiker wie Bley sehen in „Kommunist“ nicht nur eine Weichzeichnung der DDR, sondern auch eine Verhöhnung der vielen Opfer des SED-Regimes. Er erinnert daran, dass es allein an der Mauer über 250.000 Menschen gab, die in politischer Haft litten. „Der Film verhöhnt die Todesopfer des Grenzregimes und deren Angehörige“, sagt Bley und macht deutlich, dass solche Darstellungen für die Aufarbeitung der Geschichte schädlich sind.

Die Kontroverse um Krenz

Katy Hoffmeister, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, teilt diese Bedenken und spricht von einer politischen Verklärung Krenz‘ im Film. Ihrer Meinung nach vermittelt das Werk jungen Menschen „ein gefährlich verzerrtes Bild der DDR“. Der Regisseur, Lutz Pehnert, der übrigens der Sohn des ehemaligen stellvertretenden DDR-Fernsehchefs Horst Pehnert ist, beschreibt seinen Film als filmischen Essay. Er möchte Krenz in seiner Widersprüchlichkeit zeigen, ohne jedoch alle Aspekte des Themas abzudecken. Das mag ein ambitioniertes Ziel sein, doch die Kritiker sind sich einig: Die Darstellung lässt viele wichtige historische Fakten vermissen.

Die Diskussion um den Film ist nicht nur auf die Kunstszene beschränkt. Auch in der Politik wird er heiß debattiert. Die CDU hat die staatliche Förderung mit Steuergeldern scharf kritisiert. Einige Stimmen fordern eine Neubewertung des Förderprozesses, während andere auf die Bedeutung einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Film hinweisen. Kulturministerin Bettina Martin (SPD) hat sich ebenfalls geäußert und betont, dass das Vergabegremium die künstlerische und kulturwirtschaftliche Qualität der Projekte beurteilt, ohne sich von politischen Ansichten beeinflussen zu lassen.

Öffentliche Auseinandersetzung

Das Filmkunstfest selbst hat die Kritik an dem Dokumentarfilm zurückgewiesen und auf die Möglichkeit zur öffentlichen Auseinandersetzung hingewiesen. In einer Zeit, in der die Aufarbeitung der SED-Diktatur nach wie vor ein sensibles Thema ist, sind die Emotionen verständlich. Die Debatte um „Kommunist“ zeigt, wie wichtig und gleichzeitig herausfordernd es ist, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Die unterschiedlichen Perspektiven auf Krenz und die DDR sind nicht nur ein Spiegelbild der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Während sich die Diskussion um den Film weiterentwickelt, bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Kontroversen auf die Wahrnehmung der DDR-Geschichte und deren Aufarbeitung haben werden. Der Film „Kommunist“, so umstritten er auch sein mag, hat jedenfalls die Gemüter erregt und wird sicherlich noch für einige Zeit Gesprächsstoff bieten.