Im Schatten des Verbrechens: Der Fall Fabian und die Geheimnisse von Reimershagen
Heute ist der 12.06.2026 und die Atmosphäre im Landgericht Rostock ist angespannt. Der Fall Fabian, der die Region seit Monaten in Atem hält, hat erneut die Aufmerksamkeit von mehr als 100 Personen auf sich gezogen. Inmitten dieser drückenden Stille, die nur durch das Rascheln von Notizblättern und das gelegentliche Räuspern durchbrochen wird, beginnt der elfte Prozesstag. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt nimmt Platz und begrüßt die Anwesenden. Die Gesichter im Publikum spiegeln eine Mischung aus Neugier und Betroffenheit wider.
Als Christian D., der zentrale Zeuge im Mordfall, aufgerufen wird, ist die Spannung im Raum greifbar. Er kennt Gina H. seit etwa zehn Jahren, beide stammen aus dem gleichen Dorf, dem beschaulichen Reimershagen. In den Wochen vor dem schrecklichen Vorfall hatte Christian D. engen Kontakt zu ihr. Am 10. Oktober, dem Tag, an dem der achtjährige Fabian mit sechs Messerstichen getötet wurde, soll Gina H. Christian D. zum Tümpel bei Klein Upahl geführt haben, wo die Leiche des Jungen später gefunden wurde. Der Richter hat eine spezielle Taktik angewendet und stellt keine Fragen. Christian D. soll einfach erzählen.
Ein Blick in die Vergangenheit
Der Prozess dreht sich nicht nur um die grausamen Taten, sondern auch um die Beziehungen, die zu ihnen führten. Christian D. hat sich akribisch Stichpunkte zu seinem Tagesablauf gemacht, um nichts zu vergessen. Er beschreibt das Treffen mit Gina H. am 9. Oktober 2025 am Krebssee, wo es vor allem um ihre Probleme mit Matthias R. ging. “Gina wirkte normal, nicht besonders erregt”, so Christian. Über Fabian wurde kaum gesprochen, nur einmal erwähnte sie, dass der Junge einen „Keil“ zwischen sie und Matthias getrieben habe. Da fragt man sich schon, was in einem Menschen vorgeht, der so über ein Kind spricht.
Gina H., die Angeklagte, betritt den Saal in einem braunen Shirt und weißen Turnschuhen. Ihre Arme sind verschränkt. Ihr Auftreten wirkt fast schon defensiv. Es ist das erste Mal, dass Christian D. sie seit dem Vorfall sieht. Unweigerlich spürt man die Anspannung in der Luft. Fabians Mutter, Dorina L., ist ebenfalls anwesend und verfolgt jeden Prozesstag, um ihrem Sohn ein Gesicht zu geben. Eine mutige Frau, die trotz des Schmerzes stark bleibt.
Ein Netz aus Lügen und Gewalt
Die Verwicklungen zwischen Gina H. und Matthias R. scheinen tief und komplex. Christian D. erinnert sich an die negativen Schilderungen von Gina über Matthias – von Konflikten über Alkohol, Zeit und Geld. Es schimmert durch, dass hinter diesen Worten viel mehr steckt. Die Polizei hat am Tatort eine Fußspur gefunden, die möglicherweise von Christian D. stammt. Nach dem Auffinden von Fabians Leiche brach er den Kontakt zu Gina H. ab. Ein klarer Hinweis auf das, was in ihm vorging.
Mit jeder Aussage wird deutlich, wie verzweigt und chaotisch die Verhältnisse waren. Die Anspannung im Gerichtssaal ist fast greifbar. Medienvertreter drängen sich, um die Geschehnisse festzuhalten. Es besteht sogar die Gefahr, dass nicht genügend Platz im großen Saal des Landgerichts vorhanden ist. Komische Situation, wenn man bedenkt, dass es hier um Leben und Tod geht und nicht um eine gewöhnliche Gerichtsverhandlung.
Die Fragen, die sich aufdrängen, sind zahlreich. Was geschah wirklich am Tattag? Was trieb Gina H. und Christian D. zu solchen Entscheidungen? Und vor allem: Wie kann man mit solch einem Schmerz leben? Die Antworten bleiben vorerst im Dunkeln, während der Prozess weitergeht und die Wahrheit nach und nach ans Licht kommt.
