In den Güstrower Heidbergen tut sich etwas. Der Elisabethstein, ein historisches Bodendenkmal, wird zurzeit von Steinmetzmeister Thomas Borgwardt restauriert. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das nicht nur das Denkmal selbst, sondern auch die gesamte Region in den Fokus rückt. Borgwardt hat sich mit Hammer und Eisen an die Arbeit gemacht, um die einst vergessene Inschrift wieder sichtbar zu machen. Dabei ist der Stein nicht ganz so robust, wie erhofft – spröde und brüchig zeigt er sich, was die Restaurierung zur Herausforderung macht. Ein Widia-Einsatz, mit dem ein Stück von etwa 3×4 cm aus dem Granit gefräst werden soll, ist nötig, weil zwei Buchstaben, die die Abkürzung „i.J.“ bilden, bereits ausgebrochen sind.
Die Vorarbeiten sind bereits gut vorangeschritten. Bernd Breuer, ein geschickter Mitarbeiter, hat den Stein zuvor mit einer biologisch abbaubaren Lösung schonend gereinigt. Auch die störenden Findlinge, die den Elisabethstein umgaben, wurden entfernt. Um die Inschrift wieder lesbar zu machen, verwendet Borgwardt eine geprüfte Schriftenfarbe, extra für Steinmetze entwickelt. Die restlichen Arbeiten sollen bis zur Woche nach dem Herrentag abgeschlossen sein, mit dem großen Ziel, pünktlich zu Pfingsten fertig zu werden. Ein feierliches Zeremoniell, das der Kunst- und Altertumsverein (KAV) plant, wird die Vollendung des Projekts gebührend feiern. Es wird ein Highlight im Rahmen der Festwoche zum 800-jährigen Bestehen des Doms, die vom 31. Mai bis 7. Juni stattfinden wird.
Ein Stück Geschichte wird lebendig
Der Elisabethstein steht seit 1883 unter Denkmalschutz und könnte Teil eines Großsteingrabes sein. Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten fand ein wichtiger Vor-Ort-Termin mit Dr. Arnold Fuchs, dem Vorsitzenden des KAV, und Vertretern der Denkmalschutzbehörde statt. Dabei wurde auch eine Unstimmigkeit in der Inschrift festgestellt, die das Wort „Prinzessin“ betrifft – ein weiteres Puzzlestück in der Geschichte dieses Denkmals. Um die Erinnerung an Herzogin Elisabeth, die mit dem Stein verbunden ist, lebendig zu halten, haben Schülerinnen des John-Brinckman-Gymnasiums Wildobst-Bäume in der Nähe des Steins gepflanzt. Ein schöner Geste, nicht wahr?
Angelika Schmiegelow Powell, die Initiatorin dieser Restaurierung, hat sich mit viel Herzblut für das Denkmal eingesetzt. Am 28. Mai feiert sie ihren 91. Geburtstag. Es ist bewundernswert, wie viel Engagement sie für die Erhaltung der Geschichte zeigt. Der Elisabethstein und die umgebenden Denkmäler in Güstrow, wie das beeindruckende Rathaus am Markt oder die Stadtpfarrkirche, die 1508 im gotischen Stil erbaut wurde, tragen alle zu einem reichen kulturellen Erbe bei, das es wert ist, bewahrt zu werden.
Ein lebendiges Denkmal in Güstrow
Güstrow hat noch viele weitere bauliche Schätze zu bieten. Von der frühgotischen Basilika des Doms, die 1226 ihren Ursprung hat, bis hin zur Heiligengeist-Kirche, zeigt die Stadt eine beeindruckende Vielfalt an architektonischen Stilen. In der Nähe des Elisabethsteins gibt es zahlreiche Wohnhäuser, die das Stadtbild prägen. Die Vielfalt reicht von klassischen Wohnhäusern in der Gleviner Straße bis hin zu historischen Gebäuden wie der Bibliothek am Wall. Diese Denkmäler sind nicht nur stumme Zeugen der Geschichte, sie erzählen Geschichten – von Menschen, von Veranstaltungen und von der Entwicklung der Stadt über Jahrhunderte hinweg.
Die Restaurierung des Elisabethsteins ist also mehr als nur ein lokales Projekt. Sie ist ein Teil des kulturellen Gedächtnisses, das wir alle teilen, und ein Zeichen dafür, dass wir unsere Geschichte nicht vergessen dürfen. Wenn alles gut geht, wird der Stein bald in neuem Glanz erstrahlen und die kommenden Generationen an die Herzogin Elisabeth und die Geschichte Güstrows erinnern.