Die Stadt Wolgast steht vor einer nervenaufreibenden Entscheidung, die über den weiteren Verlauf eines ambitionierten Projekts am Stadthafen bestimmen wird. Der Ausbau des historischen Lotsenturms, der bis in die 1920er Jahre am Hafen stand, soll nun endlich Realität werden. Der Nachbau, der als touristische Attraktion und Veranstaltungsort geplant ist, könnte die Stadt nicht nur kulturell bereichern, sondern auch neue Besucher anziehen. Doch die Kommunalaufsicht des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat die Freigabe von finanziellen Mitteln bislang zurückgehalten, was das Vorhaben ins Stocken geraten ließ.

Die Gesamtkosten für den Neubau des Lotsenturms belaufen sich auf etwa 480.000 Euro. Die Stadt Wolgast plant, einen Eigenanteil von 200.000 Euro zu stemmen und darüber hinaus einen Kredit aufzunehmen, der jedoch bislang nicht genehmigt wurde. Bei einer Bürgerschaftssitzung am Montag haben die Stadtvertreter mehrheitlich beschlossen, einen Antrag bei der Aufsichtsbehörde zu stellen, um das Projekt dennoch voranzutreiben. Sollte der Antrag abgelehnt werden, könnte das gesamte Vorhaben auf der Kippe stehen. Die Stadtvertreter betonen die wirtschaftliche Notwendigkeit und die fehlenden Folgekosten des Lotsenturms, was im eingereichten Antrag klar dargestellt wird.

Aktuelles aus der Stadtvertretung

Bei der Sitzung der Stadtvertretung am 5. Mai 2025 waren 22 von 25 Mitgliedern anwesend, was zeigt, wie wichtig dieses Thema den Entscheidungsträgern ist. In der Sitzung wurde unter anderem ein Kommunaldarlehen in Höhe von 6 Millionen Euro rückwirkend genehmigt, das die Stadt bereits zuvor aufgenommen hatte. Bürgermeister Martin Schröter verwies auf die Herausforderungen, die sich über 22 Jahre Haushaltssicherung angesammelt haben. Parallel dazu kündigte das Land Mecklenburg-Vorpommern an, 7,3 Millionen Euro Altverbindlichkeiten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft abzulösen.

Der Lotsenturm ist jedoch nicht das einzige Bauvorhaben, das die Stadt beschäftigt. Ein neuer Bebauungsplan für ein Wohngebiet mit 73 Wohneinheiten südlich der Waldstraße wurde ebenfalls beschlossen. Auch die Einführung eines barrierearmen Umbaus des Rathauses steht auf der Agenda. Die Diskussion um den Lotsenturm wurde jedoch kontrovers geführt, mit Unterstützung von CDU und KfW-Fraktion, während OLW und AfD-Fraktion Bedenken hinsichtlich unklarer Folgekosten äußerten. Letztlich wurde der Antrag zum Lotsenturm mit knapper Mehrheit angenommen, was zeigt, dass der Wille zur Umsetzung stark ausgeprägt ist.

Ein Teil einer größeren Vision

Die Pläne für den Lotsenturm sind Teil einer umfassenderen Strategie zur Sanierung und Entwicklung Wolgasts, die von der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und den Bürgerinnen und Bürgern unterstützt wird. Seit den 90er Jahren verfolgt die Stadt städtebauliche Entwicklungsziele im Sanierungsgebiet „Historische Altstadt“. Über 100 geschichtlich bedeutsame Objekte wurden bereits instandgesetzt, und die Realisierung neuer Projekte soll sicherstellen, dass der Stadtkern seinen alten Glanz in neuem Gewand zurückerhält.

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Mit dem Neubau des Lotsenturms könnte eine weitere touristische Perle in Wolgast entstehen, die sowohl Einheimische als auch Gäste anziehen wird. Die Stadtvertretung ist sich der Bedeutung dieses Projekts bewusst und wird alles daran setzen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Vision eines lebendigen und attraktiven Stadthafens Wirklichkeit werden zu lassen. Die kommenden Entscheidungen der Kommunalaufsicht werden entscheidend dafür sein, ob der Lotsenturm wieder auferstehen kann oder ob die Pläne vorerst auf Eis gelegt werden müssen.