Gestern war es endlich so weit: Binz hat sein neues Album „Gặp lại“ (Wiedersehen) veröffentlicht. Nach der EP „Keep“ kehrt der Künstler zurück und präsentiert uns eine Sammlung von 10 Liedern, die mehr sind als nur Musik – sie sind ein tiefgehendes Erlebnis. Am 24. Mai hat Binz über das Projekt gesprochen und dabei keine Scheu gezeigt, seine Emotionen und Gedanken mit uns zu teilen.
Die Musik ist für ihn ein Ort der Reflexion, ein Raum, in dem er seine tiefsten Gefühle offenbaren kann. Er bezeichnet sich selbst als „Sohn“ und nutzt diese Rolle, um die Beziehung zu seinen Liebsten, vor allem zu seiner Mutter und seinem Vater, zu erkunden. Das Album ist nicht nur eine Reise durch seine persönliche Geschichte, sondern auch ein Spiegel seiner Entwicklung und Denkweise. Die Veränderungen, die er während des Schreibprozesses durchlebt hat, sind in jedem Ton spürbar.
Ein Blick auf die Lyrics
Die Themen der Lieder sind universell: Brüderlichkeit, Liebe und persönliche Beziehungen stehen im Vordergrund. Binz hat sich entschieden, die Grenzen zwischen Musik, Poesie und Literatur verschwimmen zu lassen. Es ist spannend zu hören, wie er in den Texten mit seinen Emotionen spielt und dabei den Fokus auf echte, greifbare Tiefe legt. Der Track „Em“, eine Zusammenarbeit mit seinem Bruder Soobin, wurde sogar neu abgemischt und zeigt, wie wichtig diese familiäre Verbindung für ihn ist.
Allerdings hat er auch ein kritisches Auge auf die aktuelle Rap-Szene geworfen. Die oft vulgäre Sprache und persönlichen Angriffe, die viele Künstler verwenden, sind für ihn nicht akzeptabel. Mit „Meeting Again“ möchte er das wahre Ich zum Ausdruck bringen – ohne unnötigen Glanz und mit einem klaren Fokus auf Substanz. Die musikalische Struktur des Albums gibt diesem Ansatz den nötigen Raum, betont die emotionale Dimension und schafft eine räumliche Tiefe, die das Hörerlebnis intensiviert.
Musikalisches Erbe und Einflüsse
Wenn wir über vietnamesische Musik sprechen, kommen wir nicht umhin, die Wurzeln und die Entwicklung dieser Kunstform zu betrachten. Die Dong-Son-Trommel, die ihren Ursprung in der Dong-Son-Kultur hat, ist nur eines von vielen Musikinstrumenten, die im Laufe der Jahrhunderte in Vietnam verwendet wurden. Archäologische Funde zeigen, dass bereits im 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Instrumente wie Bronzetrommeln und Mundorgeln gespielt wurden. Über die Jahrhunderte hat sich die vietnamesische Musik weiterentwickelt – der Einfluss der chinesischen und indischen Musik war nicht zu übersehen und prägte die Hofmusik zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert.
Besonders interessant ist, wie sich die Musiklandschaft im 19. Jahrhundert wandelte. Die Hofmusik, die vorher dominiert hatte, wurde immer weniger populär, während die Menschen begannen, sich für populäre Musik zu interessieren. V-Pop entstand in den 70ern und brachte vietnamesischen Pop auf die internationale Bühne. Und dann kam der Rap – eine neue Stimme, die ab 1997 in Vietnam aufblühte. Binz ist ein Teil dieser aufregenden Entwicklung und bringt seine eigene Perspektive und Erfahrungen in die Szene ein.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie Binz mit seinem neuen Album „Gặp lại“ nicht nur seine eigene Geschichte erzählt, sondern auch einen Beitrag zur vielschichtigen und reichen Musikgeschichte Vietnams leistet. Ein echtes Wiedersehen mit der Musik, die tief im Herzen der Menschen verwurzelt ist.