Im Persischen Golf brodelt es – und zwar nicht nur unter der Wasseroberfläche. Rund 20.000 Matrosen sitzen seit fast zwei Monaten auf ihren Schiffen fest, ohne Aussicht auf Rückkehr. Sie sind wie Gefangene auf hoher See, eingeschlossen in einem wütenden Konflikt, der sich von Tag zu Tag weiter zuspitzt. Berichte über Nahrungsmangel, ausbleibenden Lohn und Drohnenangriffe häufen sich. Gewerkschafter fordern mit Nachdruck Garantien für eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus, die seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs weitgehend für den Schiffsverkehr gesperrt ist. Die Seeleute, viele von ihnen aus den Philippinen, Indien und Indonesien, fühlen sich isoliert und ausgeliefert.

Manoj Yadav, ein Gewerkschafter, beschreibt die Situation als erschreckend. Seeleute vergleichen ihre Lage mit einem Gefängnis. Reza Muhammad Saleh, ein indonesischer Seemann, spricht von extremer Anspannung und der ständigen Angst vor weiteren Drohnenangriffen. „Wir wurden von unseren Reedereien im Stich gelassen“, klagt er. Einige Matrosen haben keinen Lohn erhalten und müssen die Evakuierungskosten selbst tragen. Die Lebensbedingungen auf diesen Schiffen sind alles andere als angenehm – der Nachschub an Essen und Wasser ist unsicher, und die hohe Stressbelastung macht die Situation nur noch schlimmer.

Militärische Spannungen und Angriffe

Die Situation bleibt angespannt, auch wenn seit einem Monat eine Waffenruhe gilt. Die USA und der Iran beschießen sich weiterhin gegenseitig. Das US-Militär berichtet von unprovozierten Angriffen iranischer Seite, die sie erfolgreich abwehren konnten. Doch die Angriffe aus dem Iran auf US-Kriegsschiffe setzen sich fort. Die USA drängen im UN-Sicherheitsrat auf eine Resolution zur Sicherung der Straße von Hormus und fordern Iran auf, die Angriffe zu beenden. Komischerweise wirft der Iran den USA vor, die Waffenruhe verletzt zu haben, während sie Luftangriffe auf zivile Gebiete melden.

Inmitten dieser militärischen Spannungen kämpfen die gestrandeten Seeleute mit einer ständigen Unsicherheit. Einige von ihnen haben gehört, dass ihre Verträge bald auslaufen – was passiert mit ihrem Gehalt, wenn sie nicht nach Hause können? Die internationale Seeschifffahrtsorganisation appelliert eindringlich, die Seeleute nicht zu vergessen. Arsenio Dominguez von der Organisation erklärt, dass sie an einem Evakuierungskorridor arbeiten, aber aufgrund der instabilen Lage keine Evakuierungen durchführen können.

Die menschliche Seite der Krise

Das menschliche Leid ist unübersehbar. Die Seeleute fühlen sich einsam, gelangweilt und erschöpft. Internetzugang per Satellit ist teuer und wird manchmal blockiert – ein Teufelskreis der Isolation. In Manila warten jobsuchende Seeleute auf Angebote, während einige sogar Jobs im Persischen Golf abgelehnt haben, weil ihnen die Gefahr zu groß ist. „Es ist eine Chance, Geld für meine Familie zu verdienen“, sagt ein Philippiner, der trotz der Risiken auf das Meer hinaus will.

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Doch die Drohnenangriffe und die ständigen Gefahren machen die Lage unerträglich. Mehrere Besatzungsmitglieder wurden bereits bei Angriffen getötet. Der Druck auf die Seeleute wächst, und die Internationale Seeschifffahrtsorganisation warnt vor steigenden Risiken für Unfälle, je länger die Situation andauert. Währenddessen geht das Leben an Land weiter – die Welt schaut hin, aber was kann man tun? Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit. Die Seeleute, die auf dem Wasser festsitzen, haben niemanden, der für sie spricht, und ihre Geschichten drohen in der Stille der See unterzugehen.